Märkte / Makro

«Wer sich glaubwürdig humanitär engagiert, muss auch wirtschaftlich denken»

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz finanziert sich erstmals über den Kapitalmarkt. IKRK-Präsident Peter Maurer erklärt, wie Renditeversprechen und humanitäre Hilfe zusammenpassen.

Erstmals ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an den Kapitalmarkt gelangt, um sich zu finanzieren. Mit Unterstützung der Bank Lombard Odier wurde ein strukturierter Kredit über 26 Mio. Fr. aufgenommen. Damit bricht IKRK-Präsident Peter Maurer mehrere Tabus: Die Rückzahlung von Hilfsgeldern wird zum Thema, er verspricht privaten Investoren eine erfolgsabhängige Rendite, und er zwingt das IKRK dazu, die Wirtschaftlichkeit und die Nachhaltigkeit in der humanitären Arbeit vermehrt zu beachten.

Herr Maurer, das IKRK finanziert sein Budget von über 1,7 Mrd. Fr. fast ausschliesslich mit staatlichen Beiträgen. Weshalb gelangt es nun an den Kapitalmarkt?
Peter Maurer: Humanitäre Arbeit ist ein Mandat, das uns die Staaten gegeben haben. Wir gehen davon aus, dass die Staaten dieses Mandat – Schutz und Hilfe für Menschen, die durch Krieg und Krisen Not erleiden – weiterhin grösstenteils finanzieren werden. Aber nicht alles, was wir tun, ist Soforthilfe. Vieles ist langfristige Stabilisierung. In den fünfzehn grössten Operationen sind wir durchschnittlich 36 Jahre präsent. Längerfristige Aktivitäten können wir nach einem ökonomischen Modell finanzieren.

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