Märkte / Anleihen

Wer ultralange Anleihen trotz tiefer Zinsen kauft

Die Zeiten sind schwierig für Staats- und Unternehmensobligationen mit besonders langer Laufzeit. Ihr Hebeleffekt zahlt sich nur aus, solange die Zinsen sinken.

Die neue Finanzministerin der USA, Janet Yellen, hat ein altes Thema zurück aufs Tapet gebracht: Die USA sollten auch ultralange Staatsanleihen emittieren. Bisher ist bei dreissig Jahren Laufzeit Schluss. Yellen kann sich fünfzigjährige Papiere vorstellen. In anderen Staaten ist das schon lange Praxis. Grossbritannien beispielsweise unterhält eine Regierungsanleihe, die erst im Jahr 2071 zurückgezahlt wird. Frankreich, Italien, Korea und andere haben ebenfalls fünfzigjährige Obligationen ausstehend. Österreich hat vergangenen Sommer eine Bundesanleihe an den Markt gebracht, die sogar erst 2120 verfällt.

Es gibt gute Gründe für einen Emittenten, jetzt eine möglichst lange Laufzeit zu wählen. Die Zinsen sind im historischen Vergleich extrem niedrig. So streckt der Schuldner seine Verbindlichkeiten zeitlich weit hinaus und muss dafür kaum zusätzliche Kosten bezahlen. Aber wie steht es mit den Anlegern? Was bringt es ihnen, ultralange Zinspapiere ins Depot zu holen?

Liquidität ist ein Problem

In erster Linie kommen solche Langläufer für professionelle Anleger in Frage. Pensionskassen und Lebensversicherer sind traditionell die wichtigsten Abnehmer. Sie haben mit sehr langfristigen Verbindlichkeiten zu tun und können sie mit dem Kauf ähnlich langer Wertschriften absichern. Abgesehen von diesem sogenannten Liability Matching wandern ultralange Staatsanleihen vor allem in Fonds, die Anleihenindizes passiv abbilden müssen. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital-Abonnements ab 28 Fr. / Monat Zu den Abonnements Bereits abonniert?