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Wer von Draghis Bazooka profitieren würde

Die Märkte warten auf den nächsten grossen Schritt der EZB. Besonders die Aktien europäischer Banken könnten neuen Schub gebrauchen.

Mark Dittli

Und wieder mal wartet alles auf den nächsten grossen Schritt der Zentralbank. Mit seiner Ankündigung von letzter Woche, die EZB werde «alles unternehmen, um den Euro zu retten», hat EZB-Chef Mario Draghi die Finanzmärkte etwas beruhigt – und gleichzeitig grosse Erwartungen geweckt.

Hier und da wird spekuliert, die Zentralbank könnte über ihr Securities Market Programme (SMP) wieder spanische und italienische Staatsbonds vom Markt kaufen. Oder sie könnte eine neue Version ihrer Longer Term Refinancing Operation (LTRO) auflegen, um das europäische Bankensystem abermals mit Liquidität zu fluten.

Lassen wir uns mal überraschen. Am kommenden Donnerstag (2. August) steht jedenfalls der nächste Zinsentscheid der EZB an.

Momentan herrscht in der europäischen Politik das in mittlerweile mehr als zwei Krisenjahren eingespielte, übliche Muster: Die wichtigen Figuren, von Merkel und Schäuble bis Hollande und Juncker, haben über das Wochenende die Vorlage Mario Draghis angenommen und verlauten lassen, man werde selbstverständlich alles unternehmen, um die Eurokrise zu lösen (wie immer schön und übersichtlich zusammengetragen von Tina Haldner und Michael Griesdorf in unserem Eurokrise-Tagebuch).

Wenn Investoren aus den vergangenen Jahren etwas gelernt haben, dann dies: Mit verbalen Versprechen lassen sich die Finanzmärkte nicht lange beruhigen. Ein Zentralbanker oder Finanzminister, der andeutet, er werde im Bedarfsfall seine Bazooka zücken, wird in aller Regel schon bald vom Markt herausgefordert. (Der Begriff der Bazooka geht übrigens auf den damaligen US-Finanzminister Hank Paulson zurück, der im Sommer 2008 – als die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac schlingerten – versprochen hatte, im Notfall seine Waffe zu zücken.)

Nehmen wir also an, Draghi wird im Lauf der kommenden Wochen – möglicherweise nach dem nächsten grossen Panikschub an den Börsen – etwas unternehmen müssen: Welche Sektoren würden am meisten profitieren?

Diese Grafik aus einer Studie von Michael Hartnett, Chefstratege von Bank of America (BAC 23.47 -1.59%) Merrill Lynch, spricht eine klare Sprache:

Sie zeigt schön, wie der Banken-Subindex des Euro Stoxx (blaue Kurve) derzeit auf einem Allzeittief steht, während der defensive Subindex für Nahrungsmittel und Getränke (orange Kurve; er enthält Werte wie Danone (BN 46.74 -5.27%), Unilever (ULVR 4515 -3.87%) und Anheuser-Busch InBev) ein Allzeithoch erreicht hat. Sollte es der EZB tatsächlich gelingen, die Finanzmärkte glaubhaft zu beruhigen (zumindest für eine gewisse Zeit), erwartet Hartnett eine kräftige Rally in den Banktiteln.

Weitere Bereiche, die gegenwärtig gemäss Hartnett stark überverkauft sind: europäische Versorger, europäische Telecom (mit Namen wie Telefónica (TEF 2.969 -0.87%)) sowie Rohstoffwerte aus Kanada, Australien und Emerging Markets. Das wären die «Trades», mit denen eine EZB-Erholungsrally gespielt werden könnte.

Und was ist zu meiden?

In erster Linie deutsche Bundesanleihen, meint Hartnett. Diese Grafik zeigt die Rendite zehnjähriger Bunds über die vergangenen zwei Jahre:

Nach der Rede von Ben Bernanke in Jackson Hole im August 2010, als der Fed-Chef das zweite quantitative Lockerungsprogramm (QE2) angekündigt hatte, stiegen die Renditen massiv an. Das dürfte gemäss Hartnett nach einer grossen Ankündigung von Draghi wieder geschehen; er erwartet einen Anstieg der Bund-Renditen auf über 1,75% (aktuell: 1,39%).

Was auch immer Draghi tut: Es dürfte uns ein heisser August bevorstehen.