Die Schweiz kennt offiziell keine Reichtumssteuer. Politik und Volk wollten davon bisher nichts wissen. Und dennoch: Die direkte Bundessteuer ist mit ihrer steilen Progression auf kaltem Wege zu einer Reichtumssteuer geworden. 2009 (neuere Daten liegen nicht vor) bezahlten knapp 3,8 Mio. steuerpflichtige natürliche Personen gut 9,2 Mrd. Fr. an direkter Bundessteuer. Die Belastung der Steuerpflichtigen ist allerdings höchst ungleich verteilt. Auf die unterste Einkommensstufe mit einem reinen Einkommen bis 30 400 Fr. entfielen 10,8% der Steuerpflichtigen – sie trugen jedoch nur 0,4% zum Steuerertrag bei. Am oberen Ende sehen die Relationen anders aus: Die oberste Einkommensstufe umfasste 0,3% der Pflichtigen, sie bezahlten 19% des Aufkommens. Nicht berücksichtigt sind die Steuerpflichtigen, die gar keine direkte Bundessteuer bezahlen. Das war 2009 fast 1 Mio. Personen. Rechnet man sie zur untersten Einkommensstufe hinzu, so umfasst sie 29,3% der Steuerpflichtigen, der Beitrag bleibt auf 0,4%. Die Zahlen widerlegen die populäre Behauptung, die Reichen würden kaum Steuern entrichten: Die obersten zwei Einkommensstufen (11,8% der zahlenden Pflichtigen) kommen für 72% des Ertrags der direkten Bundessteuer auf. Hinzu kommt die Progression auf kantonaler Ebene. Klar ist eines: Je steiler die Steuerprogression wird, desto eher wirkt sie als Anreiz zur Steuerflucht.