Unternehmen / Schweiz

2014: Wer wie viel steuerfrei ausschütten kann

Die kotierten Unternehmen kommen derzeit auf rund 100 Mrd. Fr. Kapitaleinlagereserven, die für Privatanleger steuerfrei zurückgezahlt werden können.

Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven als Alternative zur Dividende bleiben en vogue. Privatanleger schätzen diese Form der Beteiligung am Erfolg des Unternehmens, denn sie ist im Gegensatz zur Dividende nicht einkommenssteuerpflichtig. Die Regelung gilt seit 2011, als mit der Unternehmenssteuerreform II das Kapitaleinlageprinzip eingeführt worden ist. Kapitaleinlagen stammen aus dem Agio etwa von Kapitalerhöhungen. Mit der Reform wurde die Ungleichbehandlung von Nennwert und Agio-Reserve aufgehoben. Nennwertrückzahlungen waren zuvor schon steuerfrei.

Für 2014 gut 10% mehr

In der jüngsten Saison haben die kotierten Unternehmen Kapitaleinlagereserven von insgesamt 15 Mrd. Fr. ausgeschüttet. Einige haben ihre Reserven mit dieser Auszahlung nun bis auf weiteres aufgebraucht, so Burkhalter, Coltene, Datacolor, Interroll, Implenia und Energiedienst. Somit weisen aktuell rund achtzig kotierte Unternehmen nennenswerte Zahlen aus. In der Summe ergibt sich ein Betrag von rund 100 Mrd. Fr., wie eine Analyse der FuW aufzeigt. Für den Löwenanteil mit einer Reserve von rund 40 Mrd. Fr. zeichnet UBS verantwortlich – eine Folge der Finanzkrise, als die Grossbank zu massiver Mittelaufnahme gezwungen war.

Von den rund achtzig Gesellschaften erklärte auf Anfrage der FuW gut die Hälfte, im Grundsatz weiterhin steuerfrei ausschütten zu wollen, soweit die Reserven reichen und eine Ausschüttung finanziell angebracht ist. Die übrigen machten keine Aussage mit dem Hinweis, das sei Sache des Verwaltungsrats und der Generalversammlung. Es gibt aber keinen Grund zur Annahme, die Unternehmen würden etwas an der Praxis ändern, und es gibt – derzeit – auch keine Anzeichen dafür, dass sich etwas an den Steuergesetzen ändert.

Auf Basis der Schätzungen der FuW werden für das laufende Jahr wiederum rund 15 Mrd. Fr. steuerfrei ausgeschüttet werden. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies bereinigt um die letztjährige Sonderdividende der Swiss Re von 1,42 Mrd. Fr. ein Anstieg um rund 10%.

Prognosen sehr theoretisch

Für fünfzehn Unternehmen reichen die aktuellen Reserven nur noch für eine bis zwei Runden (vgl. Tabelle Teil 1), darunter als prominentestes Beispiel ABB. Fast 25 Gesellschaften werden jedoch noch bis zu fünf Jahre diesen Weg gehen können (Teil 2), die übrigen noch sehr viel länger (Teile 3 und 4). Diese Betrachtung ist jedoch rein theoretisch, ausgehend vom jetzigen Stand an Reserven und von einer stabilen Ausschüttung. Letztgenannter Effekt spielt für UBS eine Rolle: Kehrt die Bank zu alter Stärke zurück, wird auch die Ausschüttung deutlich wachsen, dann reichen die Reserven möglicherweise «nur» etwa fünfzehn Jahre. Der Vorrat der  Swiss Re, deren Ausschüttungen je nach Grossschäden stark schwanken, reicht noch für bis zu drei Runden.

Die zweite unbekannte Grösse in der Berechnung ist die Höhe der Reserven selbst, da sie von künftigen Kapitalmassnahmen abhängt, die sich nicht prognostizieren lassen. Die Ausnahme bilden die Immobiliengesellschaften, die in vielen Fällen regelmässig für Investments das Kapital erhöhen und so stets über hohe Reserven verfügen dürften. Schwierig auch auf kurze Sicht sind Prognosen in Fällen wie Lindt & Sprüngli: Dort hängt die Höhe der Kapitaleinlagereserven jeweils stark davon ab, in welchem Ausmass und mit welchen Konditionen Mitarbeiteroptionen ausgeübt werden.

Unabhängig davon: Basierend auf den Schätzungen der FuW für das laufende Jahr weisen einige der Gesellschaften, die steuerfrei ausschütten, eine sehr attraktive Rendite auf. So kommen die Titel von Banque Cantonale Vaudoise, Cembra Money Bank, Inficon, Mobimo, Swiss Prime Site, Swiss Re, Valora und Zurich Insurance auf eine Rendite von mehr als 5% – und eben brutto wie netto.

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