Im Norden der kanadischen Provinz Alberta wachsen die gelben Pyramiden: Hier stapeln sich Blocks aus Schwefel, der in der Verarbeitung von Ölsand anfällt. Düngerproduzenten, die chemische und andere Zweige der Industrie nehmen das gelbe Element ab, doch offenbar nicht in ausreichendem Mass. Der Corona-Preisschock vermiest unterdessen das Ölsandgeschäft ohnehin. Alberta wird häufig als das Texas Kanadas bezeichnet: Rinderherden, konservative Politik, Öl (die Eishockeymannschaft der Hauptstadt heisst nicht vergebens Edmonton Oilers). So wie in Texas blüht auch in Alberta seit jeher der Regionalpatriotismus. Umso mehr, als Alberta, anscheinend stets ein Nettozahler zum innerkanadischen Finanzausgleich, in der Politik in Ottawa wenig zu sagen hat – dort dominieren die (oft liberalen) Abgeordneten aus den bevölkerungsreichen Provinzen Ontario und Québec. In Alberta sowie im benachbarten Saskatchewan ist unterdessen die Unzufriedenheit mit dem Bundesstaat sogar verbreiteter als im traditionell separatistischen Québec, und sie steigt. Zu Beginn des Jahres wurde nun eine Partei gegründet, die sich für (viel) mehr Autonomie der westlichen Prärieprovinzen einsetzen will. Sie nennt sich «Wexit Canada». 

(Bild: David Nunuk/Science Photo Library/Keystone)