Märkte / Devisen

Wie China die eigene Währung steuert

Vor allem seitens der USA wird erneut Kritik laut, dass die Chinesen den Renminbi künstlich tief halten. Wie machen sie das eigentlich?

Am Montag war die chinesische Währung gegenüber dem Dollar so günstig wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. 1 $ kostete mehr als 7 Yuan (so wird die Einheit des Renminbi genannt), und der Kurs hält sich derzeit auf diesem Niveau. Die Abwertung des Renminbi folgte auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Strafzölle auf chinesische Importe erneut zu erhöhen. Die chinesische Zentralbank (PBoC) bekannte sich dazu, den Wechselkurs als Gegenmittel zu benutzen. Wie machen sie das eigentlich?

Ab 1994 bis zum Beginn des Jahres 2005 war der Wechselkurs des Renminbi an den Dollar gebunden. Somit schwankte die Währung eins zu eins mit der amerikanischen Valuta. Im Juli 2005 wurde diese Bindung aufgehoben, wobei die chinesische Währung zum Dollar schlagartig um 2,1% aufwertete.

Der Wechselkurs des Renminbi orientiert sich seither an einem Währungskorb, der sich primär aus Dollar, Euro, japanischem Yen und südkoreanischem Won zusammensetzt – den Währungen der Haupthandelspartner. «Die Währungen in dem Korb hängen von dem Volumen unseres Aussenhandels ab», erklärte der chinesische Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan damals. «Die USA, die Eurozone, Japan und Südkorea sind jetzt unsere grössten Handelspartner, deshalb sind ihre Währungen die wichtigsten in dem Korb.»

In anderen Volkswirtschaften unterliegt der Wechselkurs dem freien Spiel der Märkte. Die Nachfrage nach einer Währung wirkt sich somit auf den Kurs aus. Beim chinesischen Renminbi legt die chinesische Zentralbank den Kurs fest. Er ist nach wie vor an den Dollar gekoppelt, darf aber täglich in einer maximalen Bandbreite von 2% schwanken. China ist die grösste Exportnation der Welt. Die Importnationen, die die Waren bezahlen, tun dies in ihren eigenen Währungen – in Dollar, Euro, Yen etc. Dadurch fliessen den chinesischen Exporteuren riesige Devisenmengen zu.

Jetzt kommt die Zentralbank ins Spiel. Die Exportfirmen dürfen diese Devisen nicht behalten, sondern müssen sie bei der Zentralbank zu dem von ihr festgelegten Kurs umtauschen. Die Zentralbank hat somit volle Kontrolle über alle Deviseneinnahmen und kann die Aufwertung systematisch verhindern. Darüber hinaus kontrolliert die Zentralbank auch das Geld, das Ausländer ins Land bringen. Will ein ausländisches Unternehmen in China investieren, kann es die Rechnung nicht in Euro oder Dollar begleichen, sondern muss das Kapital erst in Renminbi wechseln. Dies ist nur in China möglich.

Auch für Touristen, die nach China reisen, besteht eine Aus- und Einfuhrbeschränkung. Man kann die chinesische Währung zwar über die Hausbank beziehen, diese muss die Beträge aber durch die Restbestände Chinareisender decken, welche diese nach der Heimkehr wieder in Euro etc. zurückwechseln.

Somit zirkuliert die chinesische Währung in einem geschlossenen Kreislauf und unterliegt der vollen Kontrolle der PBoC. Dies ist für die Zentralbank mit enormem Aufwand verbunden, scheint sich aber insbesondere in einem Handelskrieg bezahlt zu machen.

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