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Wie der digitale Franken aussehen könnte

Die Schweizerische Nationalbank arbeitet wie andere Zentralbanken an einer Digitalwährung. Anders als in China wird sie Privatleuten wohl verschlossen bleiben.

Mitte Dezember ist es soweit: Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5'360.00 0%)) wird dann ihre Entwicklungsarbeit für einen digitalen Franken präsentieren. Das erklärte Sébastien ­Kraenzlin, Chef des operativen Bankgeschäfts der SNB, am Donnerstag beim FuW-Forum «Blockchain in Financial ­Services».

Dabei geht es um einen «Proof of Concept» – einem funktionsfähigen Prototypen, der die Schweizer Währung auf einer in einem Netzwerk verteilten Datenbank (Distributed Ledger Technologie, DLT) ­abbildet. Auch Blockchain, die von der Kryptowährung Bitcoin (Bitcoin 39'866.00 -0.32%) verwendete Technologie,  ist solch eine DLT. Während etwa die chinesische Zentralbank schon in einer grossflächigen Testphase eine Digitalwährung für Privatkunden als Bargeldersatz ausprobiert, schliesst die SNB das für die Schweiz noch aus. Denn hierzulande geht es um eine «Wholesale»-­Anwendung – die Währung würde nur Finanzinstitutionen zur Verfügung stehen.

«Kein Nutzen für Private»

Kraenzlin bezieht sich auf einen Bundesratsbericht vom vergangenen Dezember, warum man für Privatpersonen keine Digitalwährung einführen will. Dort heisst es: «Digitales Zentralbankgeld bringt für die breite Bevölkerung gegenwärtig keinen Zusatznutzen.» Auch sorgt man sich um Nebenwirkungen, etwa auf die Finanzstabilität – es gäbe weniger Hürden, dass Kunden ihre Einlagen in Krisenzeiten von Banken abziehen. Ein weiterer Grund sind Sorgen um den Wechselkurs: Ein digitaler Franken der Nationalbank könnte als sicherer Hafen für ausländische Anleger noch begehrter werden. Es wären mehr Kapitalzuflüsse zu erwarten, dadurch würde der Aufwertungsdruck für die Schweizer Valuta zunehmen.

Zwar seien Innovationen im Zahlungsverkehr für die Kunden weiterhin wichtig, so Kraenzlin. Aber günstigere und schnellere Zahlungen könnten von den Finanzmarktakteuren auch ohne eine Retail-Zentralbankwährung entwickelt werden.

Zentralbankwährungen können technisch unterschiedlich ausgestaltet werden. Anders als bei Kryptowährungen wie Bitcoin wäre denkbar, dass die Währung nicht dezentral gespeichert ist, sondern als Konto bei der Zentralbank geführt wird. Nun ist aber die Rede von «Token» – was eine Implementierung wie bei einer Kryptowährung nahelegt.

Der jetzt getestete Anwendungsfall eines «tokenisierten Frankens» würde Finanzinstituten erlauben, Wertschriften­geschäfte effizienter abzuwickeln. Entwickelt wurde sie im BIS Innovation Hub – einem gemeinsamen Innovationslabor der SNB und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Der Programmiercode soll später anderen Notenbanken zur Verfügung gestellt werden. Die Idee des Prototypen: Käufer und Verkäufer würden sich zwar weiterhin auf einem traditionellen Marktplatz finden. Die Übertragung der Wertschriften und die Bezahlung dafür würde aber auf der DLT automatisch abgewickelt. Aufwändige Prozesse für die Wertpapierbuchhaltung könnten damit entfallen.

Kernpunkt der erhofften Effizienzvorteile ist die Implementierung von Smart Contracts – eine vorprogrammierte Logik, die auf der DLT gespeichert wird. Würde mit einem Digitalfranken in einer Transaktion bezahlt werden, könnte die Zahlung von solch einem Smart Contract ausgelöst werden.

Der SNB-Vertreter Kraenzlin warnt jedoch vor zu grossen Hoffnungen – ein «Big Bang» sei nicht zu erwarten, ab dem die gesamte Finanzwelt exklusiv auf Distri­buted Ledgers funktionieren werde: «Viel realistischer ist eine Koexistenz von bisherigen Legacy-Systemen mit DLT in einer hybriden Finanzmarktinfrastruktur.»

Aus der Wirtschaft wird der Ruf nach einem virtuellen Franken lauter. Ralf Fahney, Projektmanager bei der Baloise (BALN 144.40 -0.07%), hat die Machbarkeit einer Versicherungsanwendung auf Basis der Blockchain geprüft. Doch «ohne einen tokenisierten Franken konnten wir wenig Begeisterung für unser Projekt auslösen», erklärte er auf der FuW-Konferenz. Wegen des manuellen Aufwands für die Zahlungen sei der ­Effizienzvorteil zu gering.

«Währung für Maschinen»

Konkrete Anwendungen einer programmierbaren Währung präsentierte Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, am FuW-Forum: «Für uns Menschen bringt eine tokenisierte Währung wenig Nutzen,  sie wird für die Maschinen wichtig sein», meinte Sandner. So könnte das Internet of Things (IoT) Geschäftsmodelle ermöglichen, in denen die Nutzung von vernetzten Maschinen ohne manuelles Zutun abgerechnet und bezahlt wird. Das muss sich dann auch für «Micro-Payments» – Kleinstzahlungen – lohnen.

Für die Eurozone erwartet Sandner, dass deutsche Geschäftsbanken – unter anderem die DZ Bank – im nächsten Jahr einen Euro-Token implementieren werden, um solche Anforderungen zu befriedigen. Denn die Europäische Zentralbank sei davon noch zu weit entfernt – «dort wird man erst nächstes Jahr entscheiden, ob man so etwas überhaupt will». China ist bei der Entwicklung der Digitalwährung damit schon sechs Jahre voraus.