Markttechnik / A. Cortés

Wie die IT-Stärke zu werten ist

Der MSCI Information Technology hat dieses Jahr bis zum vergangenen Freitag 28,5% zugelegt. So eindrucksvoll diese Zahl sein mag: Der Index hat bislang vor allem den Rückschlag des vierten Quartals 2018 aufgeholt. Am Freitag schloss der Sektor lediglich 4,17% über dem Höchst von August 2018.

Die Frage lautet weniger, ob eine spekulative Blase im Gange ist, sondern ob im Kursgeschehen eine grosse Trendwende eingeläutet worden ist. Auf Ebene der grossen Indizes lassen sich Trendwenden recht gut erkennen, sie haben sich historisch immer durch eines von zwei Mustern manifestiert.

Typologie der Trendwende

Das erste besteht in einer zeitraubenden trendlosen Volatilität, in deren Verlauf kurzfristige Erholungen mit weniger Momentum ablaufen als kurzfristige Rückschläge. Dieses Muster bezeichne ich als Typ-1-Trendwende. Ihr ist das Mantra zu verdanken, dass Rückschläge in Aufwärtstrends keine Signalkraft haben. Diese liegt in den Erholungen. Fallen sie technisch schwach aus, mit wenig Momentum, niedrigem Umsatz und geringer Marktbreite, sind sie Wendesignale. Sie werden kritisch, wenn die 20-Monate-Bollinger-Bänder flach verlaufen. Diese Erkenntnis dürfte eine der wichtigsten sein, um einen zu frühen Ausstieg aus einem primären Aufwärtstrend zu verhindern.

Die andere Art besteht in einer starken Beschleunigung eines mehrjährigen Trends, verbunden mit einer hohen Präsenz des Geschehens in nicht auf die Wirtschaft und die Märkte spezialisierten Medien. Es herrscht die übereinstimmende Meinung vor, dass extreme Bewertungen keine Rolle spielen, denn «dieses Mal ist alles anders». Solche Muster, die ich Typ-2-Trendwenden nenne, werden kritisch, wenn sich im 20-Monate-Bollinger-Band entstandene Blasen infolge abflauenden Momentums zu schliessen beginnen.

Nun lautet die Frage ganz einfach: Ist die Erholung seit Jahresanfang eine Fortsetzung der Hausse, ein erster Schritt in eine Typ-1-Trendwende oder ein erster Schritt in einen Bärenmarkt?

Die Ausschlussdiagnose

Wie beim Arzt geht es auch an der Börse oft um eine Ausschlussdiagnose. Ich schliesse aus, dass das Geschehen seit August 2018 ein erster Schritt in einen Bärenmarkt ist. So kategorisch kann ich mich auf die verbleibenden zwei Varianten nicht festlegen. Doch so weit kann ich gehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der primäre Aufwärtstrend des Index andauert, halte ich für deutlich höher als die, dass ein erster Schritt in eine Typ-1-Trendwende eingeläutet worden ist. Von einer Typ-2-Trendwende sind wir weit entfernt.

Für diese Annahme sprechen die Marktbreite des Sektors, der Umsatz und die relative Stärke der Aktien mit einer hohen Kapitalisierung im Sektor. Ferner gibt es eine deutliche Differenzierung zwischen den sieben Industrien des Sektors. Drei stechen besonders hervor, da sie unter den Top-zehn-Industrien aller Sektoren figurieren, nämlich Internet Software & Services auf Platz eins, Software auf Platz drei, IT Services auf Platz fünf. Dieses Merkmal der Selektivität zieht sich durch alle Sektoren und Länder hindurch und stellt ein Gegengift zur Entstehung von Blasen dar. In Blasen sind alle Industrien und fast alle Aktien eines Sektors im Aufwärtstrend. Das Regime, das alle Börsen beherrscht, ist im Narrativ zu erkennen, das sich wie ein roter Faden durchzieht: Der Markt honoriert Innovation. Aktien innovativer Unternehmen werden mit Bedacht ausgesucht. Das ist sehr positiv.

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