Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Schweizerische Nationalbank
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Wie die SNB ihre Devisen anlegt

Am Geldmarktapéro vom Donnerstag erklärte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg die besondere Rolle der SNB als Investor. Die Funktion von Devisenreserven habe sich seit 2008 gewandelt.

Tommaso Manzin

Die Bilanz der SNB (SNBN 4790 2.13%) ist seit dem Beginn der Finanzkrise signifikant gewachsen. Soweit war nichts Bemerkenswertes an der Rede von Fritz Zurbrügg, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), so beindruckend sich Ausmass und Geschwindigkeit der Ausdehnung – wie Zurbrügg selbst betont – auch grafisch ausnehmen.

 

Ein Hauptpunkt des Direktoriumsmitglieds: Alles, was hier abgebildet ist, ist das Ergebnis der Geldpolitik, und nicht etwa einer Ertragsstrategie. Die SNB ist eben ein sehr besonderer Investor.

Transparenz sei für die SNB im Zusammenhang mit ihren Devisenreserven von grösser Bedeutung, deshalb publiziere sie im Gegensatz zu anderen Zentralbanken ihre Fremdwährungsreserven quartalsweise, und zwar nach Währung und Anlageinstrument. Und auch die wichtigsten Prinzipien ihrer Bewirtschaftung seien auf der SNB-Homepage einsehbar. Sie sind in den SNB-Statuten verankert und wurden 2004 erstmals in internen Richtlininen konkretisiert.

Neue Rolle der Reserven

Die Rolle der Fremdwährungsreserven hat sich gemäss Zurbrügg seit 2008, also mit dem Ausbruch der Finanzkrise, gewandelt. Vor 2008 war die Aufgabe der SNB auf die Ermöglichung und Sicherstellung der Geldpolitik zu jedem Zeitpunkt beschränkt. Interventionen am Devisenmarkt waren so gut wie inexistent und die Diskussion fokussierte mehr auf die Frage, ob Reserven gehalten werden sollen oder nicht. Angesichts ihres schieren Ausmasses hat die SNB 2008 die Anlageprinzipien revidiert. Sie umfassen im wesentlichen drei Punkte.

Vorrang der der Geldpolitik

Veränderungen in den Währungsreserven sind einzig und allein das Ergebnis von Entscheidungen der Geldpolitik. Dies muss also auch für den ersten Rückgang seit langem gelten: im Oktober sind die Fremdwährungsreserven 5 Mrd. tiefer ausgefallen als im September. Die Verteidigung der Eurountergrenze von 1.20 Fr./€ scheint also weniger schwer durchsetzbar. Die Verwaltung der Reserven setzt erst dort ein, wo die Geldpolitik aufhört. Sie darf dieser zudem nie zuwiderlaufen.

Sicherheit, Liquidität und Ertrag

Sichere und liquide Anlagen sind für die SNB zentral, denn diese muss stets in der Lage sein, ihre Geldpolitik umzusetzen und somit schnell Zugang zu ihren Fremdwährungsreserven haben. 96% der von der SNB gehaltenen Bonds haben ein Rating von AA oder besser, das meiste sind Staatsanleihen. Investiert wird nur in die weltweit liquidesten Instrumente und Währungen. Die Erwirtschaftung von Ertrag wird zwar berücksichtigt, übernimmt aber die Rolle einer Art Residualgrösse: Ist der geldpolitische Auftrag ausgeführt, kommen Renditeüberlegungen ins Spiel.

«Wir wollen die Markpreise nicht beinflussen»

Die SNB ist nicht nur ein sehr spezieller Anleger, sondern auch ein besonders grosser. Auch deshalb, und nicht nur wegen der Liquidität ihrer Anlagen, muss sie auf die Grösse der Märkte, in die sie investiert, Rücksicht nehmen. Die SNB sei sich der enormen Geldmengen bewusst, mit denen sie in die ausgewählten Instrumente insgesamt einsteigt. Das Volumen wird daher gemäss Zurbrügg kontrolliert in den Markt eingespeist. Bis die gewünsche Allokation zustande komme, könne daher einige Zeit vergehen. Teilweise sei die SNB aus diesem Grund gezwungen, Liquiditätsbeträge auf ihren Konten bei anderen Zentralbanken zu lagern. Darüber, ob die SNB mit ihren Devisenkäufen nicht weltweit Preise und Zinsen beinflusst, ist in jüngster Zeit eine Diskussion entbrannt.

Anteil Euro an Gesamtinvestitionen seit Jahren ähnlich

Würde sich die SNB gegen ihre Engagements in Fremdwährungen absichern, würde sie ihre eigenen Bemühungen, den Franken zur Deflationsbekämpfung nicht zu sehr erstarken zu lassen, teilweise rückgängig machen. Die einzige Möglichkeit, das Währungsrisiko zu bewirtschaften, sei daher die Diversifikation.

Nicht unbedingt allgemein bekannt sein dürfte hierbei, dass der Anteil Euro an den Gesamtinvestitionen der SNB, wie Zurbrügg ausführte, in den vergangenen Jahren mehr oder weniger konstant geblieben ist. Die Quote schwankte stets zwischen 45 und 65%.