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Wie geht es weiter mit NFT, DeFi und Metaverse?

Der Kryptomarkt hat überproportional korrigiert. Anstelle von Euphorie sind Zweifel aufgetreten.

Martin Hüppi, Portfolio Manager Seba Bank AG

Wie geht es weiter mit den drei Themen um dezentralisierte Finanzen (DeFi), Non-Fungible Tokens (NFT) und Metaverse, welche Kryptoinvestoren in der jüngsten Vergangenheit umtrieben haben? Mit der Blockchain-Technologie sollen etablierte Prozesse und Strukturen effizienter und einfacher umgesetzt werden (DeFi, NFT), aber es sollen auch neue digitale Welten mittels Metaverse erschlossen werden.

Eine Vielzahl von Projekten sind bereits am Markt erschienen und bieten ansprechende Lösungen an. Die meisten wurden dabei mit grossen Vorschusslorbeeren versehen. Die Euphorie, die durchaus berechtigt war, ist durch die ökonomischen und politischen Realitäten gedämpft worden.

Es wäre aber falsch, DeFi, NFT und Metaverse einfach abzuschreiben. Investoren sind gut beraten, wenn sie diese Themen entsprechend den Regeln für Risikokapital diversifiziert angehen und versuchen, die Lösungsansätze, die den Projekten zugrunde liegen, richtig einzuordnen.

NFT eine Blase der Tech-Euphorie?

Ein NFT ist mehr als nur ein lustiges Cartoon eines Affen, für das Markteilnehmer offensichtlich bereit waren, substanzielle Geldbeträge auszugeben. Es besteht durchaus ein Interesse von institutionellen Investoren, die Möglichkeiten von NFT zu nutzen. Aber die hohe Volatilität des Markts und die eher trägen Entscheidungsprozesse von Unternehmen haben bis anhin noch nicht zu nachhaltigen Anwendungen geführt.

Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass es durchaus Projekte gibt, die für Unternehmen interessant sein könnten. NFT erleichtern die eindeutige und nicht austauschbare Zuordnung von Originalen. Sie sind digitale Kontrakte, mit denen das Eigentum von realen Gütern permanent nachvollziehbar ist, ohne dass ein Intermediär notwendig ist.

Die Anwendung im Bereich geistiges Eigentum hat grosses Potenzial, insbesondere weil damit die Abgeltung transparent und effizient umgesetzt werden könnte. In diesem Bereich können Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie von Nutzen sein.

Revolution oder Randerscheinung?

Die Geschichte des Finanzmarkts wiederholt sich. Dezentrale Lösungen sind schon oft erschienen, jeweils verbunden mit grossen Gewinnerwartungen, doch die Risiken, die damit verbunden sind, rufen sofort den Regulator auf den Plan, und das Ganze wird in den Grenzen eines etablierten Systems weitergeführt. Doch rigide und gut etablierte Strukturen und Prozesse werden nicht so einfach ersetzt, zumal diese immer Stabilität und Sicherheit suggerieren.

Ein zentraler Punkt von DeFi ist die Demokratisierung der Finanzdienstleistungen, was vor allem geringere Kosten und breiteren Zugang bedeutet. Ungefähr 20% der Weltbevölkerung hat keinen oder nur sehr beschränkten Zugang zu den etablierten Finanzinstitutionen. Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, eine Lösung für dieses Problem bereitzustellen.

Für DeFi-Anwendungen sind bereits verschiedene Blockchains auf dem Markt. Die meisten dieser Anwendungen basieren auf der Ethereum-Blockchain. Am weitesten verbreitet sind Kredit- und Handels-Anwendungen. Die anfängliche Euphorie, die sich um DeFi aufgebaut hat, ist merklich zurückgegangen. Die Idee, mit blockchainbasierten Anwendungen den Finanzmarkt effizienter zu gestalten, wird sich durchsetzen, doch welche Projekte die Gewinner sein werden, ist derzeit schwer abzuschätzen.

Metaverse – die Realität wird digital

Etablierte Technologieunternehmen wie Microsoft (MSFT 291.32 -0.47%) und Meta haben sich diesem Thema angenommen. Im Zentrum steht dabei die Zusammenführung verschiedener Systeme, die bis dahin nicht verbunden waren. Dienstleistungen und Produkte sollen zukünftig im Metaverse zugänglich gemacht werden und den Benutzern Interaktionen in einer erweiterten virtuellen Welt ermöglichen.

Aber daneben gibt es auch ganz neue Unternehmen, die ausschliesslich auf das Metaverse setzen. Beispielsweise The Sandbox (SAND) oder Enjin (ENJ). Beide sind in der Welt der virtuellen Spieleplattformen anzusiedeln. Metaverse ist eine weitere Evolutionsstufe des Internets, die neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit erschliesst und damit auch Opportunitäten für Investoren anbietet. Metaverse ist sicherlich ein nicht zu vernachlässigendes Thema, doch Investoren müssen geduldig sein. Ein schneller Gewinn wird nicht einfach so möglich sein.

Der Kursrückgang des gesamten Kryptomarkts in den letzten Wochen hat sicherlich einige Fragen zur Nachhaltigkeit des Themas aufgeworfen. Investoren, die sich mit Kryptoanlagen beschäftigen, sind schlecht beraten, wenn sie nur die grossen Kursgewinne der letzten Zeit vor Augen haben. Eine eingehende Beurteilung der Projekte ist essenziell. Die hohe Volatilität und Dynamik des Markts sprechen sicherlich für einen vernünftig diversifizierten Ansatz auf Ebene der Tokens und der damit verbundenen übergeordneten Themen.