Meinungen

Wie oft muss Credit Suisse noch spülen?

Die Aufarbeitung der Vergangenheit kostet CS einmal mehr Milliarden. Doch auch die Zukunft wird schwierig. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Jeffrey Vögeli.

«Turnaround-Spekulanten brauchen starke Nerven und viel Geduld.»

Kitchen Sinking: So nennt es der angelsächsische Banker, wenn ein Unternehmen möglichst alle Leichen aus dem Keller holt, um danach mit Wachstum zu brillieren. Bei Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%) hat es Tidjane Thiam gemacht in seinem ersten Jahr, ebenso wie sein Nachfolger als CEO, Thomas Gottstein. Nun hat auch der bereits geschasste VRP António Horta-Osório noch einen Goodwillabschreiber und 500 Mio. Fr. für juristische Altlasten hinterhergeworfen. Letztere haben zusammen mit Schwächen im operativen Bereich für einen ganz realen Verlust im vierten Quartal gesorgt.

So weit, so normal, könnte man sagen. Fragt sich, wann dieser Reigen ein Ende findet. Wird der eben angetretene VRP Axel Lehmann Ende 2022 immer noch verfehlte Akquisitionen und juristische Altlasten in der Bilanz finden, die er nicht erst in ein paar Jahren auf seine eigene Kappe nehmen will? Wie lange wird CS noch von Restrukturierungskosten geplagt werden?

Aber vor allem: Kann die operative Schwäche im vierten Quartal vorübergehend bleiben, in einer Bank, deren Personal auf einer Dauerbaustelle arbeiten muss, die es sich weder leisten noch erlauben kann, mit den Bonustöpfen der grossen US-Konkurrenten mitzuhalten? Wer glaubt, dass es gelingen kann und dass die zweitgrösste Schweizer Bank eigentlich die richtigen Voraussetzungen mitbringt, der sollte jetzt zuschlagen. Turnaround-Spekulanten brauchen aber starke Nerven und viel Geduld. Wer das nicht hat, lässt die Finger von den Aktien CS, denn auch 2022 dürfte nicht ohne Herausforderungen bleiben.