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Wieder trifft es österreichische Banken

Krise Ukraine: Verschiedene europäische Banken haben sich von ihren ukrainischen Töchtern verabschiedet. Auch die österreichische Raiffeisen International hatte dies vor, allerdings wurde der Verkaufsprozess abgebrochen.

Russische und westeuropäische Banken haben die Ukraine als Teil der Erschliessung von Mittel- und Osteuropa gesehen. Die Finanzkrise hat jedoch zum Umdenken gezwungen. So haben etwa Commerzbank (CBK 5.82 +5.74%) (Deutschland), Erste Bank (Österreich) und Intesa Sanpaolo (ISP 2.27 +2.43%) (Italien) ihre ukrainischen Töchter abgestossen.

Auch die österreichische Raiffeisen International wollte sich verabschieden. Der bereits in Gang gesetzte Verkaufs­prozess für die Tochter Aval ist am Montag aber abgebrochen worden. Ebenfalls vertreten ist Bank Austria, Tochter der italienischen UniCredit.

Die Aktien von Raiffeisen International verloren am Montag fast 10% ihres Werts, die von UniCredit gaben um 6% nach.

Risiko sind steigende Kreditausfälle

Solange die Auseinandersetzung allein die Ukraine betreffe, seien mögliche Verluste für diese zwei Banken verkraftbar, urteilen die Kreditstrategen von RBS. Am meisten exponiert ist Raiffeisen International, die rund 4% aller Ausleihungen in der Ukraine ausstehen hat und weitere 12% in Russland. Bei UniCredit macht die Ukraine 0,4% (2,3 Mrd. €) der Ausleihungen aus, Russland weitere 2%. Unbekannt ist der Anteil der Fremdwährungskredite. Gemäss der ukrainischen Zentralbank beträgt der Anteil Fremdwährungskredite 36%. Sollte sich der Konflikt auf andere Länder in der ­Region ausdehnen, wären es die öster­reichischen Banken, die es zu spüren bekämen. Rund die Hälfte des Kreditbuchs der Ersten Bank geht auf Schuldner in Osteuropa zurück, bei Raiffeisen International sind es etwas über 60%. UniCredit ist besser diversifiziert.

Das Risiko ausgehend von Osteuropa sind steigende Kreditausfälle, mit Konsequenzen für den Staat. Österreich sah sich während der Finanzkrise wegen hoher Abschreibungen auf Krediten in Osteuropa und im Balkan gezwungen, fünf Banken mit Kapital zu unterstützen, darunter auch Erste Bank (Kapital 2013 zurückgezahlt) sowie Raiffeisen International. Würde der Staat im schlimmsten Fall seinen Beutel erneut öffnen? Die Ratingagentur Moody’s glaubt, es sei nicht ­nötig. In einer am Freitag publizierten ­Bestätigung der Triple-A-Note für Österreich heisst es, die Wahrscheinlichkeit von erneuten Verpflichtungen aus dem Bankensektor sei (ausser für Hypo Alpe Adria) gesunken.