Meinungen

Willkommene Verschnaufpause

Von überverkauftem Terrain haben die Aktienmärkte zur Erholung angesetzt. Vorbei sind die Turbulenzen deswegen aber nicht. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Offen ist zudem, was der im Juni beginnende Bilanzabbau des Fed für die Finanzmärkte und die Realwirtschaft bedeutet.»

Es sieht gut aus. Erstmals seit März dürfte der US-Aktienmarkt wieder eine Woche im Plus abschliessen. Ausser der S&P 500 bricht am Freitag 4% ein, was angesichts der hohen Volatilität zwar nicht ausgeschlossen ist, unwahrscheinlich aber schon.

Ein Grund ist das Fed. Wie dem Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses zu entnehmen ist, wird es an den nächsten beiden Sitzungen beim Leitzins «nur» jeweils eine Erhöhung um 50 Basispunkte geben und im September möglicherweise gar eine Pause.

Marktteilnehmer sind erfreut. Sie haben ihre Erwartungen der Straffung leicht nach unten korrigiert. Und obwohl das Federal Reserve den Leitzins erst 75 Basispunkte erhöht hat, haben sich die finanziellen Konditionen deutlich verschärft. So sind in Erwartung der Leitzinserhöhung nicht nur die Zinsen gestiegen, sondern auch die Kreditaufschläge haben sich ausgeweitet und der Aktienmarkt hat an Wert eingebüsst. Das alles belastet die Wirtschaft.

Darum darf die Erholung dieser Woche nicht überbewertet werden. Die Aussichten sind weiter wenig rosig. Hier eine Auswahl der vergangenen Tage: Regionale Konjunkturumfragen aus den USA deuten auf eine nachlassende Dynamik, der amerikanische Immobilienmarkt gerät ins Stocken, und eine Arbeitsrevolte bei einem Zulieferer von Apple in Schanghai zeigt, dass weder die Pandemie noch die Folgen für die Lieferketten und die Margen der Unternehmen vorbei sind.

Offen ist zudem, was der im Juni beginnende Bilanzabbau des Fed für die Finanzmärkte und die Realwirtschaft bedeutet. Sicher ist derweil hingegen, dass diese ruhige Woche kaum die Norm der nächsten Monate sein wird.