Im südlichen Afrika herrscht Winter. Es ist angenehm kühl. Kapstadt meldet erfrischende Temperaturen um 15 Grad, zwischendurch regnet es. Schnee fällt hingegen nicht. Auch nicht hoch oben, auf 3050 Meter über Meer in den Maluti-Bergen. Dort liegt Afriski, das einzige Wintersport-Resort des kleinen Königreichs Lesotho. Die schmale heimische Schickeria tummelt sich auf dem schäbigen weissen Streifen im kahlen Hochland; vermögendere Südafrikaner fahren Stunden, bloss um auf Skiern diesen Anfängerhügel runterzurutschen (oder nebenan den Allerwertesten unsanft auf Matsch und Gestein zu setzen). In den Alpen hat es in warmen Wintern auch schon ähnlich ausgesehen. Jetzt, im europäischen Hitzesommer, kann einen schon Bangigkeit beschleichen, zu solcher Erbärmlichkeit schmelze das Schneevergnügen inskünftig zusammen: der Winter nur noch als Märchen. Was soll’s – die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang, diejenigen von 2022 in Peking und die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 im glutofenheissen Katar belegen, dass Klima und Landesnatur für Sport grundsätzlich keine Rolle mehr spielen. Insofern sind Ski-Vokabeln wie «alpin» und «nordisch» hoffnungslos passé.