Märkte / Makro

«Wir drängen nicht einseitig auf Austerität»

Moritz Kraemer, Chef der europäischen Länderratings bei Standard & Poor’s, lobt im Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» die Sanierungserfolge in Südeuropa, fürchtet aber einen Reformstau in Europa.

Die Eurokrise schwelt weiter. Die Realisierung der Bankenunion kommt nicht in Schwung. Südeuropa steckt in der Depression. Und die Schuldenlast bleibt hoch. Eben erst sah sich Zypern zu einer Umschuldung ausstehender Staatsanleihen gezwungen, ein Schritt, den Standard & Poor’s mit einer Herabstufung der Bonität (Rating) auf Selective Default quittiert hat. Moritz Kraemer ist der zuständige Chefanalyst der mächtigen Ratingagentur, deren Urteile nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch Regierungen erzittern lassen.

Herr Kraemer, trotz aller Unwägbarkeiten bleibt S&P dabei: Kein Land wird die Eurozone verlassen. Wieso sind Sie sich so sicher?
Nehmen wir Griechenland oder Zypern als Beispiel. Beide Länder sind stark importabhängig und führen einen Grossteil ihrer Nahrungsmittel, Medikamente sowie den gesamten Energiebedarf ein. Ihre Schulden lauten fast ausschliesslich in Euro. Sobald sie aus der Währungsunion austräten, würde eine Insolvenzwelle ausgelöst. Unternehmen und Haushalte würden nur noch durch Vorauszahlung Waren erhalten. Die Leistungsbilanz müsste auf einen Schlag ausgeglichen werden: über eine scharfe Reduktion der Importe. Ein überaus unattraktives Szenario. Es ist daher nicht verwunderlich, dass, im Gegensatz zum Norden Europas, ein Euro-Exit vor Ort nur am Rande diskutiert wird.

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