Märkte / Emerging Markets 11:44 - 09.08.2013

«Wir investieren trotz der hohen Bewertung in Myanmar»

Thomas Hugger, CEO von Asia Frontier Capital, findet in den schnell wachsenden Frontier Markets Asiens günstige Unternehmen, wie er im Interview mit FuW erklärt.
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Benchmark
Messlatte oder Referenzgrösse, die mit Blick auf die Entwicklung der Performance als Vergleichsgrösse herangezogen wird (beispielsweise ein Aktienindex ).
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Broker
Händler, der für fremde Rechnung, d. h. im Auftrag seiner Kunden, Börsengeschäfte ausführt. In der Schweiz sind im Unterschied zu verschiedenen anderen Ländern auch die Banken zum Börsenhandel zugelassen.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Frontier Markets
Länder bzw. Aktienmärkte, die in Sachen Liquidität und Marktkapitalisierung noch nicht die Reife von Emerging Markets erreicht haben. Der Indexanbieter MSCI zählt 26 Staaten dazu, unter anderem in Europa Bulgarien, Rumänien und die Ukraine, in Afrika Kenia und Nigeria, die meisten Golfstaaten, Bangladesch, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam und Argentinien.
Kapitalerhöhung
Kapitalbeschaffung der Aktiengesellschaft durch Erhöhung des Aktienkapitals . Zu unterscheiden sind ordentliche, bedingte und genehmigte Kapitalerhöhung.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Reporting
Besteht für alle Abschlüsse in Effekten , die an der SIX gehandelt werden. Für Abschlüsse über das Börsensystem ist das Reporting automatisch. Andere ausserbörslich abgewickelte Geschäfte der Börsenmitglieder müssen der Börse innerhalb von dreissig Minuten gemeldet werden. Nach Handelsschluss sind ausserbörsliche Abschlüsse bis spätestens vor Handelseröffnung des nachfolgenden Handelstages zu melden.
Rohstoffe
Werden in der Regel standardisiert und auf Termin (vgl. Futures ) gehandelt. Die Palette reicht von Edelmetallen über Basismetalle , Getreide und Ölsaaten , Soft Commodities und Fleisch sowie Milch bis zu Energie.

Die weniger entwickelten Länder Asiens zeigen ein hohes Einkommenswachstum. Unternehmen, die einfache Konsumgüter produzieren, sind daher im Fokus des Asia Frontier Funds von Thomas Hugger.

Zur PersonIn einem Management Buyout hat der Schweizer Thomas Hugger im Juni die Niederlassung des Asset-Managers Leopard Capital in Hongkong übernommen. Er ist CEO des neuen Unternehmens Asia Frontier Capital und Fondsmanager des Asia Frontier Funds. An der neuen Gesellschaft ist auch der Börsenguru Marc Faber beteiligt. Hugger hat seit 1993 Erfahrung beim Anlegen in den «Grenzmärkten» Asiens und Afrikas sammeln können. Vor seinem Anstieg bei Leopard Capital war er Leiter des Portfolio Managements der LGT Bank in Hongkong. Zuvor arbeitete er für Bank Julius Bär in Zürich und Hongkong.Herr Hugger, was für eine Anlagestrategie verfolgt ihr Fonds?
In einem Top-down-Prozess entscheiden wir, welche Länder wir über- und welche untergewichten. Hauptfokus bei der Titelauswahl ist, dass wir keinen Fehler begehen. Die Länderallokation ist wichtig, da jeder der Frontier Markets anders ist. Wir wollen Krisen wie bei den Börsencrashs in Vietnam und Pakistan im Jahr 2008 frühzeitig erkennen und vermeiden.

Sie decken zehn asiatische Länder ab – von Irak bis Papua-Neuguinea. Sollten Sie sich nicht auf weniger Länder fokussieren?
Unsere grossen Positionen sind in vier Ländern: Vietnam, Bangladesch, Sri Lanka und Pakistan. Diese Länder sind im MSCI Frontier Markets Index enthalten und haben die liquidesten Börsen. Dagegen sind die anderen Märkte kleiner: In Laos sind etwa erst zwei Titel kotiert. Die Mongolei und Irak wird sehr hohes Wachstum von 12 bis 14% vorhergesagt, aber ihre Aktienmärkte sind auch sehr klein. Da ich breit diversifiziert sein will, kann ich in die kleinen Länder nicht noch mehr investieren – obwohl ich an die Story glaube.

Wie investieren Sie innerhalb der Länder?
Ein Hauptfokus von uns liegt auf dem Konsumsektor – der macht momentan 45% unseres Fonds aus. Wir sehen überall in den Frontier Markets, wie arme Menschen von der Subsistenzlandwirtschaft in die Städte kommen. Dort erhalten sie ein Einkommen und beginnen zu konsumieren. Das lässt den Konsum rasch wachsen. Es geht natürlich um die einfachen Konsumgüter. Wir investieren daher viel in Brauereien und Tabakunternehmen.

Welche anderen Sektoren sind interessant?
Wir investieren auch oft in die Infrastruktur – wie etwa in die Bauindustrie und die Zementherstellung. Daneben schauen wir uns auch Finanzunternehmen an. Aber im Gegensatz zu anderen Frontier-Fonds, die manchmal 30% ihres Portfolios im Finanzsektor halten, sind es bei uns nur etwa 11%. Wir müssen uns im Gegensatz zu grösseren Fonds nicht so eng nach der Benchmark richten.

Obwohl Sie in den Konsumsektor investieren, sind einige Länder stark von Rohstoffeinnahmen abhängig.
Ja, das Wachstum in der Mongolei, im Irak und in Papua-Neuguinea würde natürlich belastet, wenn die Rohstoffpreise einbrächen. Die Mongolei liefert ihre Kohle (Kohle 78 -0.51%) nach China. Schwächelt dort das Wachstum, ist die Finanzierung des Staatshaushalts problematisch. Andererseits ist für die Mongolei der Rohstoffreichtum für eine kleine Bevölkerung von 3 Mio. Einwohner ein riesiges Potenzial. Wie Marc Faber sagte, könnte die Mongolei das nächste Saudi-Arabien werden. Im Moment ist dort das Hauptproblem die Rechtsunsicherheit, da die Regierung die Verträge mit Rohstoffförderern neu aushandeln will.

Wie wählen Sie die Einzeltitel aus?
Wir verfolgen einen Value-Ansatz, aber nicht einen «religiösen». Wir sind bereit, für Wachstumsunternehmen mehr zu bezahlen. So haben wir nun in Myanmar investiert, weil wir an die Aussichten für das Land glauben. Die Bewertungen der dortigen Unternehmen, die grossteils in Singapur und Thailand gehandelt werden, sind relativ hoch. Ein «Deep Value»-Investor könnte in Myanmar gar nicht investieren. Ein anderes Beispiel für eine Growth-Investition ist das vietnamesische Taxiunternehmen Vinasun, das mit einer Kapitalerhöhung expandieren will. Der Gewinn hat letztes Jahr 22% zugenommen und wir erwarten ein weiter hohes Wachstum.

Haben Sie ein Beispiel für einen Value Pick?
Wir haben in Sri Lanka Titel des Autoimporteurs United Motors Lanka gekauft. Als wir dort einstiegen, war das Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 2 und das Kurs-Buch-Verhältnis bei 0,77. Seitdem hat der Titel 67% zugelegt. Wir sehen besonders bei kleineren Titeln günstige Bewertungen, die nicht von Broker abgedeckt werden.

Wie transparent sind die Unternehmen in den Frontier Markets?
Die Bilanzen der Firmen sind meist einfach zu lesen. Am ehesten ist Betrug möglich, wo Bilanzen in einem Konzern konsolidiert werden. Dort können Schulden und Verluste leicht versteckt werden. Viele Unternehmen in unserem Portfolio werden nicht konsolidiert. Das Reporting regelt jedes Land verschieden: Vietnams Börse verlangt eine vierteljährliche Berichterstattung. Dagegen müssen mongolische Unternehmen nur einmal im Jahr berichten – und nur 75% der kotierten Firmen kommen dieser Pflicht nach.