Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Märkte / Emerging Markets

«Wir investieren trotz der hohen Bewertung in Myanmar»

Thomas Hugger, CEO von Asia Frontier Capital, findet in den schnell wachsenden Frontier Markets Asiens günstige Unternehmen, wie er im Interview mit FuW erklärt.

Die weniger entwickelten Länder Asiens zeigen ein hohes Einkommenswachstum. Unternehmen, die einfache Konsumgüter produzieren, sind daher im Fokus des Asia Frontier Funds von Thomas Hugger.

Herr Hugger, was für eine Anlagestrategie verfolgt ihr Fonds?
In einem Top-down-Prozess entscheiden wir, welche Länder wir über- und welche untergewichten. Hauptfokus bei der Titelauswahl ist, dass wir keinen Fehler begehen. Die Länderallokation ist wichtig, da jeder der Frontier Markets anders ist. Wir wollen Krisen wie bei den Börsencrashs in Vietnam und Pakistan im Jahr 2008 frühzeitig erkennen und vermeiden.

Sie decken zehn asiatische Länder ab – von Irak bis Papua-Neuguinea. Sollten Sie sich nicht auf weniger Länder fokussieren?
Unsere grossen Positionen sind in vier Ländern: Vietnam, Bangladesch, Sri Lanka und Pakistan. Diese Länder sind im MSCI Frontier Markets Index enthalten und haben die liquidesten Börsen. Dagegen sind die anderen Märkte kleiner: In Laos sind etwa erst zwei Titel kotiert. Die Mongolei und Irak wird sehr hohes Wachstum von 12 bis 14% vorhergesagt, aber ihre Aktienmärkte sind auch sehr klein. Da ich breit diversifiziert sein will, kann ich in die kleinen Länder nicht noch mehr investieren – obwohl ich an die Story glaube.

Wie investieren Sie innerhalb der Länder?
Ein Hauptfokus von uns liegt auf dem Konsumsektor – der macht momentan 45% unseres Fonds aus. Wir sehen überall in den Frontier Markets, wie arme Menschen von der Subsistenzlandwirtschaft in die Städte kommen. Dort erhalten sie ein Einkommen und beginnen zu konsumieren. Das lässt den Konsum rasch wachsen. Es geht natürlich um die einfachen Konsumgüter. Wir investieren daher viel in Brauereien und Tabakunternehmen.

Welche anderen Sektoren sind interessant?
Wir investieren auch oft in die Infrastruktur – wie etwa in die Bauindustrie und die Zementherstellung. Daneben schauen wir uns auch Finanzunternehmen an. Aber im Gegensatz zu anderen Frontier-Fonds, die manchmal 30% ihres Portfolios im Finanzsektor halten, sind es bei uns nur etwa 11%. Wir müssen uns im Gegensatz zu grösseren Fonds nicht so eng nach der Benchmark richten.

Obwohl Sie in den Konsumsektor investieren, sind einige Länder stark von Rohstoffeinnahmen abhängig.
Ja, das Wachstum in der Mongolei, im Irak und in Papua-Neuguinea würde natürlich belastet, wenn die Rohstoffpreise einbrächen. Die Mongolei liefert ihre Kohle (Kohle 82.5 0.18%) nach China. Schwächelt dort das Wachstum, ist die Finanzierung des Staatshaushalts problematisch. Andererseits ist für die Mongolei der Rohstoffreichtum für eine kleine Bevölkerung von 3 Mio. Einwohner ein riesiges Potenzial. Wie Marc Faber sagte, könnte die Mongolei das nächste Saudi-Arabien werden. Im Moment ist dort das Hauptproblem die Rechtsunsicherheit, da die Regierung die Verträge mit Rohstoffförderern neu aushandeln will.

Wie wählen Sie die Einzeltitel aus?
Wir verfolgen einen Value-Ansatz, aber nicht einen «religiösen». Wir sind bereit, für Wachstumsunternehmen mehr zu bezahlen. So haben wir nun in Myanmar investiert, weil wir an die Aussichten für das Land glauben. Die Bewertungen der dortigen Unternehmen, die grossteils in Singapur und Thailand gehandelt werden, sind relativ hoch. Ein «Deep Value»-Investor könnte in Myanmar gar nicht investieren. Ein anderes Beispiel für eine Growth-Investition ist das vietnamesische Taxiunternehmen Vinasun, das mit einer Kapitalerhöhung expandieren will. Der Gewinn hat letztes Jahr 22% zugenommen und wir erwarten ein weiter hohes Wachstum.

Haben Sie ein Beispiel für einen Value Pick?
Wir haben in Sri Lanka Titel des Autoimporteurs United Motors Lanka gekauft. Als wir dort einstiegen, war das Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 2 und das Kurs-Buch-Verhältnis bei 0,77. Seitdem hat der Titel 67% zugelegt. Wir sehen besonders bei kleineren Titeln günstige Bewertungen, die nicht von Broker abgedeckt werden.

Wie transparent sind die Unternehmen in den Frontier Markets?
Die Bilanzen der Firmen sind meist einfach zu lesen. Am ehesten ist Betrug möglich, wo Bilanzen in einem Konzern konsolidiert werden. Dort können Schulden und Verluste leicht versteckt werden. Viele Unternehmen in unserem Portfolio werden nicht konsolidiert. Das Reporting regelt jedes Land verschieden: Vietnams Börse verlangt eine vierteljährliche Berichterstattung. Dagegen müssen mongolische Unternehmen nur einmal im Jahr berichten – und nur 75% der kotierten Firmen kommen dieser Pflicht nach.