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«Der Rückkauf des Raiffeisen-Pakets wäre problemlos machbar»

Zeno Staub, CEO des Vermögensverwalters Vontobel, sieht einem allfälligen Ende der Kooperation mit Raiffeisen gelassen entgegen.

Herr Staub, Vontobel konnte den Gewinn trotz gutem Börsenjahr lediglich halten. Die Steigerung der Personalkosten um 15% sticht ins Auge. Was ist los mit Vontobel?
Vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Transformationsprozesses in der Finanzindustrie und der Tatsache, dass wir im Private Banking eine Gewinnsteigerung von 56%  und im Asset Management von 37% ausweisen können, bin ich persönlich zufrieden mit dem Erreichten. Im Personalaufwand von 60 Mio. Fr. sind zudem 14 Mio. Fr. aus einer Veränderung des rechnerischen Pensionskassenaufwands enthalten. Ohne dieses Element beträgt der Zuwachs gut 10%. Wenn unsere Kommissionensaldi gleichzeitig um 20% steigen, wollen wir unsere Leute auch angemessen entschädigen.

Es mutet auf den ersten Blick seltsam an, dass die Dividende 8% erhöht wird, obwohl der Gewinn leicht fällt. Passt das zusammen?
Ja, das macht durchaus Sinn, wenn man weiss, wie stark wir kapitalisiert sind und wie nachhaltig unsere Gewinnkraft ist. Wie Sie an der Bilanzpressekonferenz gehört haben, erwarten viele Drittaktionäre eine noch höhere Dividende. Dem steht ein Hauptaktionär gegenüber, der den unternehmerischen Willen hat, sein Kapital im Unternehmen zu belassen.

Aber würden Sie den Cashflow nicht lieber für Investments ins Unternehmen statt für eine Dividende verwenden?
Seit 2002 haben wir nahezu 1 Mrd. Fr. an die Aktionäre zurückgeführt. Wir haben 800 Mio. Fr. Kapital aufgebaut, und wir haben mehrere hundert Millionen in IT- und Sachinvestitionen gesteckt. Wir haben auch in den schwierigen Jahren der Finanzkrise konsequent in Wachstum und in die Zukunft investiert.

Ärgert es Sie nicht, dass Sie Ihrem wichtigen Aktionär Raiffeisen, mit dem Sie sich derzeit vor einem Schiedsgericht streiten, mit dieser Dividendenerhöhung zu einem guten Resultat verhelfen werden?
Nein, überhaupt nicht, mir ist jeder Aktionär wichtig. Wer Kapital zur Verfügung stellt, soll auch dafür entschädigt werden.

Wie viel bringt Raiffeisen Vontobel?
Raiffeisen ist ein wichtiger und geschätzter Kunde. Der Umsatzanteil aus der Kooperation beläuft sich allerdings auf deutlich unter 10%.

Gibt es trotz Schiedsgericht eine Hoffnung, dass es eine gütliche Lösung des Streits gibt?
Das private und im Kooperationsvertrag für den Fall von Unstimmigkeiten vorgesehene Schiedsgericht beurteilt nicht die Kooperation als Ganzes, sondern lediglich die Notenstein-Frage. Vontobel (VONN 83.65 +0.54%) ist allein schon aus Gründen der Interessenwahrung gegenüber der Gesellschaft und ihren Aktionäre verpflichtet, den Sachverhalt abschliessend zu klären. Wir bieten aber nach wie vor Hand für eine einvernehmliche Lösung.

Wie könnte sie aussehen?
Die industrielle Logik liegt auf der Hand. Die «beste» Lösung für alle Beteiligten und Kunden wäre eine prosperierende Notenstein, die im Rahmen des Kooperationsvertrags kostengünstig agiert. Notenstein könnte sich auf die Privatkundenakquisition konzentrieren und Raiffeisen gleichzeitig das Synergiepotenzial aus der Kooperation mit Vontobel maximieren. Für Vontobel wiederum wäre das Ganze mit Zusatzgeschäft auf den vertraglich definierten Kompetenzbereichen verbunden – damit wäre eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung gegeben.

Falls keine Einigung erzielt wird und die Allianz auseinanderbricht: Was geschieht in diesem Fall mit der Beteiligung von Raiffeisen an Vontobel? Kommt ein anderer Grossaktionär?
Es ist ja nicht so, dass wir uns kapital- oder beteiligungsmässig anlehnen wollten oder wollen. Dafür besteht kein Bedürfnis. Es war Raiffeisen ein Anliegen, sich mit Blick auf die enge Verknüpfung der Wertschöpfungskette zusätzlich im Kapital absichern zu können. Nach intensiven Diskussionen haben wir uns bereiterklärt, hier Hand zu bieten. Die Beteiligung ist daher an die Kooperation gebunden und keine Finanzbeteiligung. Für den Fall einer Beendigung der Kooperation verfügt Vontobel über ein Rückkaufsrecht.

Das könnte sich Vontobel leisten?
Der Rückkauf des Raiffeisen-Pakets wäre problemlos machbar. Schauen Sie sich unsere Bilanz an.

Ist das eine Option?
Unsere bevorzugte Option ist, weiterhin für die Raiffeisen-Kunden und -Banken Mehrwert zu schaffen.