Märkte / Makro

«Wir werden fiskalischen Gegenwind bekommen»

Nikolaj Schmidt, internationaler Chefökonom im Festzinsbereich von T. Rowe Price, rechnet mit einer langsamen konjunkturellen Erholung ohne Inflation.

Herr Schmidt, wie haben die Anleihenmärkte die Coronakrise gemeistert?
Der Virusausbruch hat weltweit zu einer erhöhten Geldnachfrage geführt, wie oft in Zeiten steigender Unsicherheit. Das wurde dadurch verstärkt, dass sich die Unternehmen für längere Zeit auf geringeren Umsatz einstellten. Zugleich gab es erste Symptome einer Finanzkrise: Institutionen versuchten, Wertpapiere abzustossen, nach denen sich keine Nachfrage fand und deren Preise einbrachen. Es kam nicht zum Run auf die Banken, sondern zur Flucht aus ETF und Fonds für Unternehmensanleihen.

Warum kam es nicht zu einer Finanzkrise?
Die Notenbanken und die Regierungen reagierten extrem schnell und angemessen. Die zunehmende Geldnachfrage wurde mit einem steigenden Geldangebot beantwortet. Zweitens wurde alles dafür getan, dass die Geldmärkte weiter funktionieren. Die US-Notenbank Fed legte Fazilitäten auf, die sicherstellten, dass Geldmarktfonds Abflüsse ohne starke Einbussen verkraften konnten. Die Fonds mussten nicht mehr fürchten, beim Verkauf von Wertpapieren keine Abnehmer mehr zu finden. Dadurch wurde ein Zusammenbruch wie 2008 verhindert. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?