Zum Thema: Wilde Ausschläge am Hypothekarmarkt

Wirren im Swap-Markt

Die Absicherung des Zinsrisikos mit Swaps ist teurer geworden. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Kreditkosten aus.

Die Negativzinsen der Nationalbank schlagen auf den gesamten Bankensektor durch. «Negative Libor-Zinsen machen Massnahmen zur Absicherung der Zinsänderungsrisiken wirtschaftlich äusserst unattraktiv. Dies kann sich negativ auf das Zinsergebnis 2015 auswirken», sagt die Zuger Kantonalbank (ZG 6600 0.3%).

Am 18. Dezember, als die Nationalbank das Negativzinsregime angekündigt hat, ist der Libor in die Minuszone gerutscht und seither auf fast –1% gesunken.Der Libor ist ein Referenzsatz des Interbankenmarktes. Er spielt eine wichtige Rolle bei Absicherungsgeschäften. Die meisten Banken sichern systematisch praktisch ihre gesamten Zinseinnahmen gegen Zinsrisiken ab, die darin bestehen, dass den variabel verzinslichen Kundeneinlagen festverzinsliche Kundenausleihungen (z. B. Festhypotheken) gegenüberstehen.

Verkehrte Welt

In der «alten» Zinswelt sicherten Banken ihre Bilanzen gegen steigende Zinsen ab, indem sie zum Swap-Satz ihre festen Einnahmen in variable tauschten. Sie zahlten (oder zahlen) einen festen vereinbarten Betrag und erhielten dagegen den variablen Libor-Satz. Was die Grafiken unten zeigen: Heute zahlt die Bank doppelt – einmal den im positiven Bereich fix abgeschlossenen Swap-Satz, aber sie erhält nicht Libor, sondern zahlt ihn, da er ja er im negativen Bereich liegt. Theoretisch funktioniert der Absicherungsmechanismus im negativen Bereich genau gleich. Allerdings ist der Swap-Markt offenbar sehr illiquide. Zudem ist die Bewegung der Swap-Sätze derzeit weitgehend abgekoppelt von der Bewegung von Hypotheken und Kontozinsen.

So, wie sich die Lage jetzt präsentiert, verliert die Bank bei der Absicherung. Als Gegenmassnahme wird sie versuchen,  Preisaufschläge bei den Krediten durchzusetzen oder die Kundengelder auch mit Negativzinsen zu belasten. Beides findet gegenwärtig statt.

Verzichten Banken auf Absicherung?

Der Markt ist offenbar daran, sich zu finden, was man auch daran ablesen kann, dass nun auch die UBS (UBSG 10.3 -1.86%) Einlagen ihrer Grosskunden mit einer Gebühr belegen wird. Auf der Kreditseite waren letzte Woche die Hypotheken volatil und verzeichneten sprunghafte Preissteigerungen. Aber ihre Volatilität dürfte wieder abnehmen.  Bei Swap-Sätzen, die grosse Tagesschwankungen von 15 Basispunkten aufweisen, ist das möglicherweise nicht der Fall.

Offen ist, ob die Anomalien des Swap-Marktes einzelne Banken dazu veranlassen werden, ihre Absicherungsgeschäfte zugunsten einer mittelbaren Margenausweitung zurückzufahren, zumal der Ertrag sowieso unter Druck ist. Dies würde die Risiken im Finanzsystem jedoch erheblich erhöhen.