Märkte / Makro

Wirtschaft in der Eurozone erholt sich spürbar

Der Einkaufsmanagerindex steigt im Juni bis knapp unter die Wachstumsschwelle und erreicht damit den höchsten Stand seit vier Monaten.

(Reuters) Nach dem Rekordabsturz durch die Coronakrise ist für die Eurozone und ihre grösste Volkswirtschaft Deutschland wieder Wachstum in Aussicht. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – sprang im Juni in der Währungsunion unerwartet deutlich um 15,6 auf 47,5 Punkte nach oben. Damit rückt die Wachstumsmarke von 50 Zählern wieder in greifbare Nähe, wie das Institut IHS Markit am Dienstag unter Berufung auf seine Umfrage unter Tausendenden Unternehmen mitteilte. In Deutschland kletterte das Barometer um 13,5 auf 45,8 Punkte und erreichte damit ebenfalls den höchsten Stand seit vier Monaten. Ökonomen hatten nicht mit so deutlichen Zuwächsen gerechnet.

«Die Talfahrt der Eurozone hat sich im Juni abermals substanziell verlangsamt», sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. «Produktion und Nachfrage gingen zwar weiter zurück, kollabierten aber nicht mehr.» Dennoch dürfte das Bruttoinlandsprodukt im ablaufenden zweiten Quartal so stark geschrumpft sein wie noch nie. Allerdings nähere die Umfrage «die Erwartungen, dass die gelockerten Ausgangssperren der Rezession bis zum Sommer ein Ende bereiten werden», sagte Williamson. 2020 dürfte die Wirtschaft in der Währungsunion allerdings um mehr als acht Prozent schrumpfen. Wie es weitergeht, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung der Pandemie ab. «Die erneuten Corona-Ausbrüche in Peking, Kalifornien und Gütersloh zeigen, was passieren kann, obgleich diese Hotspots bei weitem noch nicht den Beginn einer zweiten Welle signalisieren», sagte Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang.

«Zunehmende Lebenszeichen» 

Ähnlich wie in der Eurozone insgesamt sieht es auch in Deutschland aus. Markit-Ökonom Phil Smith sprach von «zunehmenden Lebenszeichen der deutschen Wirtschaft». «Obwohl sich die Lockerung der Lockdown-Beschränkungen in einigen Teilen der Wirtschaft positiv ausgewirkt hat, befindet sich das Barometer nach wie vor im Schrumpfungsgebiet», sagte Smith. «Das zeigt, dass es sich wahrscheinlich um eine langwierige Erholung handelt.» Die Nachfrage dürfte durch die von der Coronakrise verursachten Störungen und Unsicherheiten weiterhin belastet werden.

Ökonomen sind optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. «Der starke Anstieg bringt uns zurück auf ein Niveau, das anhand der Zahlen nur noch aussieht wie eine normale Rezession», sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. «Noch so ein Anstieg – und wir sind zurück in der Expansionszone.» Bei dieser Aufholjagd dürften aber noch nicht alle mit dabei sein. «Grossveranstaltungen in Sport und Kultur, Messen und Ausstellungen – da wird es wohl noch dauern», sagte Niklasch.

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