Zum Thema: Nach 300 Jahren Union tut scheiden weh

Wirtschaft Schottlands ist konkurrenzfähig

Clifford Padevit, Edinburgh

Fast zwanzig Jahre nach der Premiere von «Braveheart» ist dieser Tage eine Spezialedition des Films als Blu-Ray Disc auf den Markt gekommen. Der Film, in dem Schauspieler Mel Gibson den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace gibt, der 1297 eine Schlacht gegen die Engländer gewann, hat die Besucherzahlen des Wallace-Monuments in Stirling in die Höhe schnellen lassen. «Es ist zwar schon zwanzig Jahre her, aber noch immer nennen viele den Film als Grund ihres Besuchs», sagt Ken Thomson von Stirling District Tourism während der kurzen Busfahrt vom Besucherzentrum zum Denkmal auf dem Hügel.

Tourismus gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen der schottischen Wirtschaft, und das Referendum über die Unabhängigkeit dürfte daran nicht viel ändern. «Wie immer die Abstimmung ausgeht, was Schottland als Reiseziel beliebt macht, bleibt», findet Thomson, also Geschichte, Golf und Whisky.

Schottland weist für ein kleines Land eine breite Wirtschaft auf. «Die schottische Wirtschaft ist ziemlich ausgeglichen, was die Sektoren angeht», sagt Brian Ashcroft, emeritierter Volkswirtschaftsprofessor am Fraser of Allander Institute der Universität Strathclyde in Glasgow und Autor eines vierteljährlichen Berichts über die schottische Wirtschaft.

Wenn man den Ölsektor vor der Küste mal weglässt, dann dominieren Finanz- und Geschäftsdienstleistungen sowie der Staatssektor, die je ein Viertel zur Wirtschaftsleistung beitragen, gefolgt von Tourismus und Detailhandel. Pro Kopf ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) Schottlands so hoch wie das von Grossbritannien, nimmt man das Öl hinzu, liegt es im internationalen Vergleich der OECD auf Platz vierzehn – und vor Grossbritannien.

 

Die Grösse des Bankensektors ist aber ein Nachteil. Clydesdale Bank und Bank of Scotland haben Bilanzen, die zusammen 450% des BIP ausmachen, hält die Ratingagentur Moody’s fest. Zählte man noch die von Grossbritannien gerettete Royal Bank of Scotland hinzu, würde die Zahl explodieren. Die britische Regierung, die gegen die Abspaltung Position nimmt, schrieb in einem Bericht, die Bankbilanzen würden das BIP um den Faktor 12,5 übertreffen. Zum Finanzplatz zählen zudem in- und ausländische Fondsmanager, die im Fall der Unabhängigkeit wegziehen könnten. Der Versicherer Standard Life denkt bereits über einen Umzug nach London nach.

Eine führende Rolle nimmt der Export ein. Whisky ist das Top-Exportprodukt nach Öl, und in den letzten zehn Jahren ist der Whisky-Export um 80% gestiegen. Zwar befindet sich nur noch ein Fünftel der Destillerien in schottischem Besitz. Aber weil «Scotch Whisky» geografisch geschützt ist, muss die Produktion in Schottland bleiben. Die Branche zieht auch weiter ausländische Investitionen an. «Momentan sind 25 neue Destillerien in Planung», sagt David Williamson von der Scotch Whisky Association.

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