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Märkte / Aktien

Wo der Bär nun Kaufchancen sieht

Seit Jahren warnt Albert Edwards vor einem massiven Kurssturz an den Börsen. Doch 2017 gibt es für ihn auch Lichtblicke.

Er provoziert gerne mit seinem legeren Auftreten und seinen markigen Sprüchen – und er ist vor allem eins: ein Dauerpessimist für Aktien, ein Perma-Bär, wie er auch genannt wird. Albert Edwards, zuweilen streitbarer Anlagestratege von Société Générale (GLE 50.29 0.58%), liebt aber auch die grosse Bühne und die vielen Augen, die auf ihn gerichtet sind.

So wie gerade erst bei seinem Ausblick für 2017. Der bekennende Hawaiihemdträger erklärte den rund 700 Zuhörern in London, wieso er auch für dieses Jahr für die Märkte besorgt ist, sogar sehr besorgt.

«Nicht das Problem, sondern Symptom des Problems»

«Europa ist quasi erledigt», sagt Edwards. Die Probleme ortet er bei zwei Indikatoren – der Arbeitslosigkeit und der Produktivität. Beide Kennzahlen driften innerhalb der Mitglieder der Eurozone seit 2009 spürbar auseinander, wobei er die grössten Schwierigkeiten in Italien sieht.

«Die italienischen Banken sind nicht das Problem. Sie sind viel eher Symptom des Problems», sagt Edwards. Und er verweist auf eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos, nach der 48% der Italiener für den Austritt aus der Europäischen Union stimmen würden, wenn sie denn könnten.

Quintessenz: Sein Finger zeigt für europäische Aktien nach unten. Aber auch in den USA erwartet Edwards eine Korrektur. Die Indizes seien im historischen Vergleich auf Höchstständen bewertet. Deutlich höher als etwa während der Finanzkrise oder der Tech Bubble um die Jahrtausendwende.

Japanische Aktien und US-Treasuries

Nur an zwei Orten sieht der Brite Einstiegschancen. «21 Jahre musste ich warten, um über Value Investing in Japan zu reden, nun ist es so weit», so Edwards. Er begründet dieses Kaufsignal mit verschiedenen Charts, die seine Meinung untermauern sollen.

So verfügt in Japan jedes zweite kotierte Unternehmen über einen positiven Netto-Cashbestand – deutlich mehr als in anderen Regionen (vgl. Grafik).

Zudem weisen japanische Unternehmen bei ihrer Dividendenpolitik noch Raum nach oben auf. Die Rendite ist international gesehen äusserst tief, auch die Pay-out Ratio – also der Teil des Gewinns, der an Aktionäre ausgezahlt wird – ist bei kotierten Unternehmen in Japan unterdurchschnittlich.

Eine zweite Kaufmöglichkeit sieht er bei den US-Treasuries. «Die Renditen von zehnjährigen Bonds können bis zu 3,25% steigen, ohne dass der Bullentrend gebrochen wird», so Edwards. Er widerspricht damit auch Bondguru Bill Gross. Dieser hat erst kürzlich in einer Investmentnotiz das Ende des säkularen Bondtrends heraufbeschworen. Derzeit rentieren die zehnjährigen US-Staatsbonds mit 2,4%.

Zu früh die Eiszeit ausgerufen

Ansonsten hält Edwards an seiner Warnung für Aktien und seiner Erwartung steigender Bondkurse fest. Dies verteidigt er inzwischen seit 21 Jahren und hat in dieser Zeit drei Mal recht bekommen: 1998 bei der Asienkrise, 2001 bei der Tech Bubble und 2007/2008 bei der Finanzkrise.

Seine These, «Ice Age» genannt, geht auf das Jahr 1996 zurück. Sein Timing war etwas verfrüht, aber wenige Jahre später krachte es an den Börsen. Die Kurse brachen 2001 und 2002 auf breiter Ebene ein. Die seit der Finanzkrise positive Kursentwicklung an den Aktienbörsen schaut er als Intermezzo an, bevor in naher Zukunft die Märkte über eine längere Zeit korrigieren.