Unternehmen

Wo den CEO der Schuh drückt

Eine Studie von Egon Zehnder gibt erstmals Auskunft darüber, wie sich CEO in der Schweiz und weltweit bei der Arbeit fühlen und wo die Schwierigkeiten in der Ausübung ihres Jobs liegen.

Die Arbeit eines Chief Executive Officer (CEO) in einem Unternehmen birgt mehr Herausforderungen, als viele denken. Er führt meist Tausende von Arbeitnehmern. Er muss über Dinge entscheiden, deren Ausgang nicht klar ist – und vor allem sollte er stets Vorbild sein.

Eine Studie des Führungskräfteberaters Egon Zehnder gibt erstmals Auskunft darüber, wie sich CEO in ihrem Job fühlen und wo sie Schwierigkeiten in dessen Ausübung haben. In der Studie, die «Finanz und Wirtschaft» exklusiv vorliegt, wurden 402 CEO weltweit befragt. Dreizehn von ihnen stammen aus der Schweiz. Rund 82% führen ein Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. Fr. Umsatz.

Aus der Studie geht hervor, dass sich nur 32% aller Führungskräfte bei Stellenantritt für die Rolle des CEO vollständig bereit fühlten. Die Schweizer Vertreter waren zwar etwas selbstbewusster als ihre ausländischen Kollegen. Doch auch ihre Quote fällt mit 38% nicht besonders hoch aus.

Vor allem interne Nachzügler haderten besonders oft mit ihrem Glück. Nur 28% hatten volles Vertrauen in ihr Know-how. Dennoch fühlten sich 74% grundsätzlich bereit, die Herausforderungen ihres künftigen Jobs zu meistern.

Die Mehrheit wusste zudem über längere Zeit, dass sie dereinst CEO ihres heutigen Unternehmens werden könnten. 56% aller Studienteilnehmer gaben an, dass ihre Anstellung Resultat eines längeren Nachfolgeverfahrens war. In der Schweiz lag der Wert sogar bei 83%. Rund 38% von ihnen waren mit dem Prozess jedoch nicht zufrieden.

Etliche CEO zweifeln, dass ihr Nachfolger dereinst besser vorbereitet sein wird als sie selbst. 27% sind dieser Ansicht. In der Schweiz liegt die Rate mit 31% unwesentlich höher.

Zu den grössten Herausforderungen eines CEO zählt gemäss der Studie von Egon Zehnder der kulturelle Wandel. 50% aller befragten Teilnehmer (Schweiz: 46%) sind der Ansicht, dass es schwieriger war, einen kulturellen Wandel herbeizuführen, als sie ursprünglich gedacht hatten.

Rund 48% (Schweiz: 46%) haben angegeben, dass es unerwartet herausfordernd ist, Zeit für sich selbst und für die Selbstreflexion zu finden.

47% haben zudem global zugegeben, dass es schwierig war, ihr Managementteam den Vorstellungen entsprechend zu formen. Erstaunlicherweise betrug die Quote in der Schweiz nur 23%.

Weitere grössere Abweichungen zwischen der Schweiz und dem Rest der Welt ergeben sich in der Herausforderung, kurzfristige Finanzziele mit langfristigen strategischen Zielen in Einklang zu bringen, und in der Organisation des Familienlebens.

Während global rund 40% den ersten Aspekt als Herausforderung ansehen, sind es bei den Schweizern nur 15%. Beim zweiten Kriterium liegt die Rate global bei 35%. In der Schweiz beträgt sie dagegen 62%.

Grösstenteils Einigkeit herrscht dagegen in Bezug auf die Veränderungsbereitschaft. Rund 85% (Schweiz 70%) betrachten sie als eine der wichtigsten Eigenschaften eines CEO. 54% (Schweiz: 50%) glauben auch, dass der Rolle des CEO ein intensiver Reflexionsprozess vorangeht.

Immerhin 39% aller CEO holen sich Ratschläge und Feedback von Familienmitgliedern oder dem Partner. In der Schweiz sind es sogar 54%. Damit stellen Schweizer CEO Ratschläge ihrer Familie denjenigen des Verwaltungsratspräsidenten und ihres direkt untergebenen Führungsteams mehr oder weniger gleich.

Leser-Kommentare