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Worauf es an Auktionen ankommt – Brevier für Einlieferer und Bieter

Von Christian von Faber-Castell

Wer einen Kunstgegenstand in eine Versteigerung einliefern will – er wird im Branchenjargon als Einlieferer bezeichnet –, sucht sich dafür das passende Auktionshaus. Das muss nicht unbedingt einer der grossen Kunstmultis sein. Wenn es sich nicht um ein sensationsträchtiges Werk handelt, fährt man mit einem einheimischen Haus oft besser. Ein gefälliger, aber nicht unbedingt museumswürdiger Renoir im Schätzwert von 500000 bis 1 Mio. Fr. schafft es in New York höchstens in die zweitrangigen, zur Hauptsache von Händlern abgegrasten Teil-2-Angebote von Christie’s und Sotheby’s. Ein Auktionshaus wie die Galerie Fischer in Luzern, die Galerie Kornfeld oder das Auktionshaus Stuker in Bern oder die Galerie Koller in Zürich wird ein derartiges Werk dagegen prominenter anpreisen und damit eine grössere Zahl privater Interessenten anlocken.
Interessiert sich das Auktionshaus für das vom Einlieferer angebotene Werk, dann gilt es, einen meist standardisierten Auktionsvertrag abzuschliessen. Darin werden allgemeine Bedingungen wie die Kosten für Spesen, Versicherung, Transport, aber auch für eine Katalogabbildung festgeschrieben. Dazu kommt die Angabe der Einliefererkommission, die der Einlieferer dem Auktionshaus im Fall eines Verkaufs schuldet und die vor der Auszahlung vom Zuschlagspreis abgezogen wird.

Auf die Limite achten

Am wichtigsten ist die Festlegung des Schätzpreises und des Limitepreises, unterhalb dessen der Gegenstand vom Auktionshaus nicht versteigert werden darf. Wer auf einer unrealistisch hohen Limite besteht und damit die Verkaufschancen schmälert, muss möglicherweise eine im Fall des Nichtverkaufs fällige Rückkaufskommission akzeptieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Auktionator wie der Einlieferer an einem hohen Zuschlagspreis interessiert ist. Weil ihm im Zweifelsfall aber ein tiefer Verkaufspreis lieber als gar kein Verkauf ist, strebt er gerne eine möglichst tiefe Limite an.
Anschliessend gilt es, die Auktion abzuwarten, an der man – von meldepflichtigen Ausnahmen wie Erbteilungsverkäufen usw. abgesehen – nicht auf die selbst eingelieferten Gegenstände bieten darf. Wird der Gegenstand verkauft, wird das Auktionshaus dem Einlieferer üblicherweise nach dreissig bis vierzig Tagen den Auktionserlös abzüglich der Auktionsspesen und der Einliefererkommission auszahlen, sofern der Ersteigerer bis dann gezahlt hat.
Dabei kommt es vor allem im Fall bescheidenerer Auktionsobjekte oft zu Enttäuschung auf Seiten des Einlieferers. Die Spesen und die Abbildungskosten können zusammen mit der für solche tiefpreisigen Gegenstände besonders hohen Einliefererkommisssion bis zu 50% des Zuschlagspreises auffressen. Es lohnt sich daher, sich vom Auktionator vorrechnen zu lassen, wie viel ausgezahlt wird, wenn ein Objekt zum Limitepreis versteigert wird.

Augenschein mindert Risiko

Aber auch auf den Auktionskäufer warten Fallstricke, wenn er sich nicht an einige Grundregeln hält. Wer sich für einen Gegenstand im Auktionskatalog interessiert – er wird als Los mit der entsprechenden Katalognummer bezeichnet –, sollte ihn während der vor der Versteigerung anberaumten Auktionsausstellung prüfen oder von einem Experten prüfen lassen. Besteht diese Möglichkeit nicht, kann man vom Auktionshaus eine ausführlichere Beschreibung (Condition report) anfordern.
Anschliessend legt man für sich selbst das persönliche Höchstgebot fest. Die im Katalog angegebenen Schätzpreise sind dafür nicht immer eine verlässlich Richtschnur, weil sie oft taktisch verlockend tief angesetzt sind. Im Zweifelsfall liefern Auktionspreisverzeichnisse oder die Befragung des Auktionsexperten genauere Angaben über den zu erwartenden Kaufpreis.
Während der Versteigerung kann auf mehrere Arten geboten werden: Ist man im Saal anwesend, hebt man das vor der Versteigerung nach schriftlicher Anerkennung der Auktionsbedingungen bezogene Nummernschild (Paddle), um anzuzeigen, dass man ein bestehendes Vorgebot zu überbieten bereit ist. Den jeweiligen Bietschritt – etwa 5 bis 10% des Vorgebots – bestimmt der Auktionator mit seinem Gebotsaufruf. Ausserdem kann man auch per schriftliches Auftragsgebot kaufen, in dem man sein Höchstgebot nennt. Entgegen einer unter Laien verbreiteten Befürchtung wird ein Höchstgebot von Auktionshäusern nicht unnötig ausgereizt. Eine solche illegale Praxis spräche sich zum Schaden des Auktionshauses schnell herum.

Zurufen erlaubt

Das Bieten per Telefon oder per Internet wird längst nicht mehr nur von Händlern als Möglichkeit der anonymen Auktionsbeteiligung genutzt. Über das notwendige Vorgehen spricht man sich im Vorfeld mit dem Auktionshaus ab. Sowohl im Saal als auch am Telefon sollte man sich mit Bieten Zeit lassen, um Missverständnisse oder Doppelgebote zu vermeiden. Es reicht ja, sich erst dann in ein Bietgefecht einzumischen, wenn die anderen ihr Pulver verschossen haben. Es ist im Übrigen nicht verboten, dem Auktionator ein eigenes Gebot zuzurufen, das weniger weit über dem Vorgebot liegt als der von ihm vorgeschlagene Bietschritt. Schliesslich spielt es eine Rolle, ob man für einen Hodler 2,15 Mio. oder 2,2 Mio. Fr. zahlt. Allerdings ist der Auktionator nicht verpflichtet, ein solches Gebot zu akzeptieren.
Wer den Zuschlag erhalten hat, sollte den ersteigerten Gegenstand möglichst rasch zahlen (einschliesslich Käuferaufgeld und Steuern) und abholen. Das spart nicht nur Lagerkosten, sondern bietet zudem die Möglichkeit, Echtheitsmängel und andere Einwände feststellen zu lassen und dem Auktionshaus zu unterbreiten, bevor es den Einlieferer ausgezahlt hat. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?