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Worauf es beim Fed-Entscheid ankommt

Am Mittwoch wird das Federal Reserve voraussichtlich den Abbau seiner riesigen Bilanz ankündigen. Hier die drei wichtigsten Punkte zur Sitzung der US-Notenbank.

Christoph Gisiger, New York

Es sind historisch aussergewöhnliche Zeiten in der Geldpolitik: Um die Wirtschaft zu stimulieren, haben Zentralbanken rund um den Globus ihre Bilanzen seit der Finanzkrise massiv aufgebläht. Eine führende Rolle bei dieser Entwicklung hat das Federal Reserve gespielt, das heute auf einem Wertschriftenportfolio von rund 4200 Mrd. $ sitzt.

Am Mittwoch wird die US-Notenbank erneut den Lead übernehmen. Doch jetzt geht der Trend in die Gegenrichtung. Nach einer zweitägigen Sitzung wird das Fed aller Voraussicht nach den Startschuss zum Abbau seiner Bilanz geben. Zudem erwarten Investoren von Notenbankchefin Janet Yellen Hinweise darauf, wie es mit den Zinsen weitergeht. Hier deshalb das Wichtigste zum Fed-Entscheid:

1. Das Statement

Um 20 Uhr Schweizer Zeit veröffentlicht die US-Notenbank das Schlussstatement zu ihrer Sitzung. Die technischen Details zur Bilanzverkürzung hat sie bereits an der vorletzten Sitzung von Mitte Juni bekannt gegeben. Die zentrale Frage ist daher, wann das Grossmanöver beginnen wird. Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass es Anfang Oktober mit ersten kleinen Schritten losgehen wird.

Interessieren wird Investoren ebenso, wie das Federal Reserve die Aussichten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation einschätzt. Die Monsterstürme «Harvey» und «Irma» werden Konjunkturdaten in den kommenden Monaten beeinflussen. So prognostiziert etwa die Fed-Distriktnotenbank Atlanta für das dritte Quartal eine Zunahme der Wirtschaftsleistung von nur noch 2,2%. Das, nachdem es Anfang August 4% waren.

2. Der Zinsausblick

Zusammen mit dem Statement veröffentlicht der Vorsitz der Notenbank seinen Zinsausblick. Auch «Dot Plot» genannt, zeigt er mit Punkten grafisch auf, wo die einzelnen Mitglieder den Leitzins am Ende eines bestimmten Jahres sehen. Für 2017 haben sie im Schnitt zuletzt drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Nach dem ersten Schritt im März und dem zweiten am Treffen von Juni wäre damit bis Ende Jahr noch einer fällig.

Die Kernfrage ist deshalb, ob und wie sich der «Dot Plot» verändert. Vor allem die tiefe Inflation sowie die Unsicherheit um die Auswirkungen der Überschwemmungen in Texas, Louisiana und Florida könnten den Fed-Vorsitz veranlassen, mit einer abermaligen Zinserhöhung bis nächstes Jahr zuzuwarten. Ebenso ist unklar, wie die Finanzmärkte auf den Bilanzabbau reagieren werden.

Demgegenüber würde die immer lockerere Stimmung an Wallstreet eine weitere Straffung der Zinsen rechtfertigen. An den New Yorker Börsen ist der Leitindex S&P 500 mit 2506,65 am Dienstag auf einem Rekordhoch aus dem Handel gegangen. Zudem hat sich der Dollar deutlich abgeschwächt, was dem Fed Spielraum in der Zinspolitik gibt. An der Terminbörse CME wird die Wahrscheinlichkeit daher auf rund fünfzig zu fünfzig eingestuft, dass es an der Fed-Sitzung vom Dezember zum nächsten Zinsschritt kommt.

3. Die Pressekonferenz

Um 20.30 Uhr hält Notenbankchefin Yellen eine Pressekonferenz zum Fed-Entscheid. Interessieren wird dabei besonders, ob sie weitere Details zur Bilanzverkürzung bekannt gibt. Ebenso wollen Investoren wissen, was sie zu möglichen Risiken für die globalen Finanzmärkte und zum Pfad der künftigen Zinsentwicklung denkt.

Hinzu kommt ein zweites Schlüsselthema. Fed-Vizepräsident Stanley Fischer hat vor wenigen Tagen überraschend seinen Rücktritt erklärt. Das wirft auch Fragen nach Yellens Nachfolge auf, zumal ihre Amtszeit im Februar 2018 ausläuft. Unklar ist dabei, ob US-Präsident Trump die 71-jährige Ökonomin erneut für den Posten nominieren wird und ob sie überhaupt Interesse an einer zweiten Amtszeit hat. An Wettbörsen wie PredictIt werden ihr derzeit die besten Chancen auf den Job an der Spitze der mächtigsten Notenbank zugemessen.