Meinungen

Das Grundproblem der Energieversorgung

Widerstand gegen den Bau einer neuen Staumauer im Triftgebiet formiert sich. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Es ist klar zu machen, dass es nicht möglich sein wird, den Strombedarf mit Wasser, Sonne und Wind zu decken.»

Die vom Volk beschlossene Energiestrategie 2050 bzw. die Energiewende basieren auch auf einem Ausbau der Wasserkraft. Die Kraftwerke Oberhasli verzichten nach jahrelangem Hin und Her auf eine Erhöhung einer bestehenden Staumauer im Grimselgebiet. Dafür beabsichtigen sie, den Triftkessel im Sustengebiet mit einer Staumauer abzuschliessen und für die Stromproduktion zu nutzen. Das Projekt befindet sich in der Bewilligungsphase.

Bisher hat es sich erstaunlich ruhig entwickelt, die Umweltverbände haben ihre Einwilligung gegeben. Dennoch wäre es überraschend gewesen, hätte sich nicht doch noch Widerstand formiert. An diesem Wochenende tritt das Triftkomitee, das die Staumauer verhindern will, erstmals mit Aktionen gegen den geplanten Bau öffentlich auf.

Zugegeben, der Triftkessel ist eine spektakuläre Landschaft. Und zugegeben, die geplante Staumauer allein löst die Energieprobleme der Schweiz nicht. Die Opposition gegen das Projekt legt jedoch ein Grundproblem der Energiepolitik und Energieversorgung offen: Es gibt keine Energieerzeugung ohne negative Auswirkungen.

So ist es denn auch kein Zufall, dass die Energiewende schon ins Stocken geraten ist. Windräder sind unbeliebt – im vergangenen Jahr wurde keine einzige neue Windturbine in Betrieb genommen. Auch der Ausbau der Photovoltaik stockt, die Subventionen sprudeln nicht mehr ungehindert und laufen demnächst aus. Zudem weisen Wind und Sonne eine sehr geringe Effizienz auf: Im Durchschnitt nicht einmal während  20% der Zeit produzieren sie hierzulande unter Volllast.

Die negativen Auswirkungen von Wasserkraft (Landschaftsschutz), Kohleverstromung (Abgase) oder Kernkraft (Abfälle) sind hinlänglich bekannt. Die Geothermie schliesslich, in die viele Hoffnungen gesetzt worden sind und die immer noch Bestandteil der Energiestrategie 2050 ist, ist wegen technischen Schwierigkeiten (provozierte Erdbeben) hierzulande faktisch gestorben.

Es ist alles andere als ehrlich, so zu tun, als sei der schweizerische Stromhunger in einem mittleren oder längeren Zeithorizont auf der Basis von Sonne und Wind problemlos zu decken. Das wird nicht funktionieren, die Stromerzeugung der Kernkraftwerke kann so nicht kompensiert werden. Ebenso verhallen Sparappelle bislang weitgehend ungehört. Zudem sorgen die Förderung der Elektromobilität sowie die stete Weiterentwicklung der IT – ein oft unterschätzter Effekt – für steigenden und nicht sinkenden Stromverbrauch.

Dem Bürger muss endlich reiner Wein eingeschenkt werden. Es ist klar zu machen, dass es nicht möglich sein wird, den Strombedarf mit Wasser, Sonne und Wind zu decken. Zudem wird die Entlastung über Stromimporte immer schwieriger. Der Wille und vor allem die Kapazität der wichtigsten Lieferländer, Frankreich und Deutschland, der Schweiz die Stromversorgung zu sichern, wird schon in naher Zukunft dramatisch abnehmen.

Der Möglichkeiten, unter den gegebenen Prämissen die Stromversorgung der Schweiz zu sichern, sind nicht allzu viele. Im Vordergrund dürften bald Gaskraftwerke stehen, die den CO2-Zielen allerdings diametral entgegenlaufen. Je länger dies verschleiert wird, desto grösser und akuter werden dereinst die Anpassungsprobleme. Wenn die Auseinandersetzung um die Trift-Staumauer die Sensibilität für dieses Problem schärft, wäre immerhin schon etwas gewonnen.

Leser-Kommentare

Markus Saurer 09.08.2019 - 21:05

Genau. Hervorragender Weckruf… die Nacht- und Tagträumerei muss ein Ende haben.

Donat Fenner 11.08.2019 - 11:58

Ein Weckruf nützt da nicht. Das Volk schläft ganz tief. Es wird eines Tages zu stundenweisen Stromabschaltungen kommen wie in Südafrika.

Hans Geisser 11.08.2019 - 05:58

Ja, alle wollen saubere Luft und saubere Autos. Aber saubere Energie, Wasser-, Sonnen- oder Windkraftwerke wollen sie auch nicht. Sie sollen uns einen guten Vorschlag geben. Danke