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Der Chart des Tages

Warum die US-Regierung keine Arbeitslosenhilfe mehr zahlt.

Andreas Neinhaus

An den Budgetstreit in den USA und das Feilschen über eine Rückführung der staatlichen Verschuldung haben wir uns gewöhnt. In Washington werden Regierungsprogramme häufig nur noch für kurze Fristen beschlossen und müssen danach laufend neu bewilligt werden. Finden sich dann keine politischen Mehrheiten, laufen sie sang- und klanglos aus. Das ist nun mit der vom Bund finanzierten Arbeitslosenunterstützung passiert.

USA: Anzahl Personen, die EUC-Arbeitslosengeld beziehen

Es handelt sich um eine Zusatzleistung zu den Arbeitslosenversicherungen, die primär von den Bundsstaaten organisiert sind und in der Regel maximal 26 Wochen ausbezahlt werden. Dank der von Washington finanzierten Hilfe – Emergency Unemployment Compensation (EUC) – erhalten Arbeitslose noch mindestens weitere vierzehn Wochen Unterstützung. Die EUC ist vor langem zwischen die parteipolitischen Fronten geraten. 2008 wurde sie eingeführt, danach mehrfach blockiert und verändert, 2012 im Rahmen des American Taxpayer Relief Act bis 1. Januar 2014 ausgedehnt. Der Senat konnte sich nicht auf eine abermalige Verlängerung einigen. Deshalb ist die EUC Anfang dieses Jahres eingestellt worden.

Das US-Researchteam von Morgan Stanley (MS 100.17 +1.14%) geht davon aus, dass viele der insgesamt 1,35 Mio. EUC-Empfänger nun aus der statistisch erfassten Erwerbsbevölkerung ausscheiden werden. Die Erwerbsquote in den USA, die mit 62,8% bereits auf dem niedrigsten Stand seit den Siebzigerjahren liegt, werde daraufhin noch mehr abnehmen.

Es könnte in der Folge zu einem geradezu perversen Effekt kommen: Die Arbeitslosigkeit nimmt ab, und die Arbeitslosenrate von 6,5%, die die US-Notenbank als Ziel anstrebt, wird erreicht. Unmöglich? Von wegen: Dazu genügen ein Rückgang der erfassten Erwerbstätigen um ein Zehntel und eine Zunahme der Neueinstellungen um 200 000 Einheiten. Beides sind plausible Annahmen. Ob es dazu kommt, wird der US-Arbeitsmarktbericht am 7. Februar offenlegen.

Dass das Fed dann das selbst gesteckte Arbeitslosenziel tatsächlich als erfüllt betrachtet und die zinspolitische Wende einleitet, ist allerdings unwahrscheinlich. Warten wir’s ab.

Den Chart des Tages von Freitag finden Sie hier.