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Der Chart des Tages

Investoren profitieren kaum von Aktienrückkäufen.

Martin Lüscher, New York

Das Zauberwort lautet Gewinnverdichtung. Damit argumentieren Unternehmensführer für Aktienrückkäufe. Die Überlegung geht so: Kaufen Unternehmen eigene Titel zurück, reduziert sich die Anzahl der Aktien, und der künftige Gewinn wird auf weniger Valoren aufgeteilt. Bei gleichem Kurs-Gewinn-Verhältnis steigt der Preis der Aktie.

In der Theorie klingt das gut. In der Praxis sieht es hingegen anders aus, zumindest in den USA. «Aktienrückkäufe haben nicht zu einer signifikanten Steigerung des Gewinns je Aktie geführt», schreibt Ed Yardeni in einem Kommentar. Dazu hat der Gründer des unabhängigen Anlageberaters Yardeni Research das Gewinnwachstum je Titel im S&P 500 (SP500 2905.03 0.16%) mit dem Gewinnwachstum des S&P 500 verglichen. Einen signifikanten Unterschied gibt es nicht (vgl. Grafik).

Das überrascht. In den vergangenen zehn Jahren haben Unternehmen aus dem S&P 500 von den 289 Mrd. ausstehenden Aktien laut Bloomberg 82 Mrd. zurückgekauft. Das ist fast jeder dritte Titel. Laut Yardeni haben die Unternehmen dafür 4,5 Bio. $ ausgegeben. Das hätte den Gewinn signifikant verdichten sollen. Hat es aber nicht.

«Aktienrückkäufe sind nicht dafür gemacht, Geld an die Aktionäre zurückzuführen», schreibt Yardeni. «Meistens kaufen Unternehmen aus dem S&P 500 eigene Titel zurück, um die Verwässerung durch Vergütungsprogramme in der Form von Aktien zu kompensieren.»

Deswegen ist die Zahl der Titel gemäss Yardeni auch nicht um fast 29% gesunken, sondern um nur 2%. Denn während Unternehmen eigene Aktien zurückkauften, emittierten sie neue Titel, als Teil der Vergütung von Mitarbeitern. Diese sind demzufolge die Profiteure der Aktienrückkäufe und nicht die Investoren.

(Quelle der Grafik: Yardeni Research)

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