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Märkte / Makro

Yellen kündigt nächsten Zinsschritt an

Christoph Gisiger, New York
Die Chefin der US-Notenbank beurteilt die Konjunkturaussichten optimistisch. Sie stimmt Investoren auf eine geldpolitische Straffung an der kommenden Zinssitzung vom 15. März ein.

Notenbanker drücken sich in der Regel vage und verklausuliert aus. Was Janet Yellen am Freitag zum Kurs der amerikanischen Geldpolitik sagte, ist deshalb überraschend deutlich.

«An unserem Treffen später in diesem Monat wird das Gremium erörtern, ob sich der Arbeitsmarkt und die Inflation weiterhin gemäss unserer Erwartung entwickeln», sagte Yellen während eines Referats in Chicago. «Ist das der Fall, dann wird eine weitere Anpassung des Leitzinses voraussichtlich angebracht sein.»

Die Chefin des Federal Reserve bestätigt damit, was ihre Kollegen aus dem Vorsitz der Notenbank in den vergangenen Tagen angedeutet haben: Kommt es bis zum nächsten Zinsentscheid vom 15. März nicht zu einer bösen Überraschung, werden die US-Währungshüter die Zügel bereits erneut straffen.

«Was den Arbeitsmarkt betrifft, hat die Wirtschaft praktisch unser Mandat erfüllt, und die Inflation nähert sich unserem Ziel von 2%», führte Yellen in ihrer mit vielen Fussnoten bestückten Rede aus. Seit der Rezession ist die Arbeitslosenquote von 10 auf 4,8% gesunken. Der Index der Konsumentenpreise zeigte zuletzt eine Teuerungsrate von 2,5% an.

80%-Chance auf Zinserhöhung

An den Finanzmärkten sind die Zinserwartungen in Bewegung gekommen. Stuften Investoren die Chance auf eine Straffung zu Wochenbeginn auf nur rund 40% ein, waren es am Freitagnachmittag mehr als 80%. Für den Schub hatten vor allem Aussagen von New-York-Fed-Chef Bill Dudley gesorgt, der am Dienstag sagte, dass die «Argumente für eine Zinserhöhung überzeugend sind».

«Nach Yellens heutiger Rede sieht alles danach aus, dass ein Zinsschritt in weniger als zwei Wochen eine ausgemachte Sache ist», denkt Johnny Jakobsen, US-Chefanalyst der Bank Nordea. «Noch vor weniger als einer Woche glaubten wir nicht daran, dass es im März zu einer Zinserhöhung kommen wird.»

Die letzte Hürde für die Zinspläne der Währungshüter ist der Bericht zum Arbeitsmarkt am kommenden Freitag. Ökonomen erwarten, dass die amerikanische Wirtschaft im Februar 185’000 Stellen geschaffen hat und die Arbeitslosenquote auf 4,7% gesunken ist.

Das Tempo verschärft sich

Den ersten Schritt zur Normalisierung der Zinsen machte das Federal Reserve Ende 2015. Erst an der Sitzung vom vergangenen Dezember hat es das Zielband für die Federal Funds Rate dann weiter auf 0,5 bis 0,75% angehoben. Eine erneute Erhöhung würde den Leitzins Mitte März auf 0,75 bis 1% bringen.

Die US-Notenbank schlägt damit ein schärferes Tempo an. Anfang Jahr hatten Investoren damit gerechnet, dass sie die Zinsen bis Mitte Jahr kaum erhöhen wird. «Solange keine unerwarteten Entwicklungen die Konjunktur belasten, wird die Normalisierung der Geldpolitik voraussichtlich nicht mehr so langsam verlaufen wie in den letzten zwei Jahren», resümierte Yellen.

Vor diesem Hintergrund werden Investoren genau hinhören, was die siebzigjährige Ökonomin während der Pressekonferenz nach dem Fed-Entscheid zum Ausblick sagt. Zudem werden die Währungshüter ihre Prognosen zur Konjunktur und zur Zinsentwicklung aufdatieren. Bislang stellten sie für 2017 insgesamt drei Zinserhöhungen in Aussicht.

Milde Reaktion an Wallstreet

An den Finanzmärkten wurden Yellens Ausführungen relativ freundlich aufgenommen. Für Wallstreet sind die strengeren Töne aus der US-Notenbank eine Bestätigung, dass die US-Wirtschaft an Schwung gewinnt. Nach anfänglichen Verlusten rappelte sich der Dow Jones Industrial am Freitagnachmittag auf und tendierte zum Handelsschluss praktisch unverändert auf 21’006.

Auch im Bondhandel fiel die Reaktion mild aus. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen notierte wie am Vortag auf 2,49%. Der Dollar hingegen gab gemessen an den wichtigsten Währungen nach. Der Goldpreis machte 0,1% auf 1234.90 $ pro Unze gut.