Märkte / Makro

Yellen schlägt milden Ton an

Die Präsidentin der US-Notenbank äussert in ihrer ersten Rede vor Wallstreet-Vertretern Bedenken wegen der geringen Inflation. Die Börse reagiert freundlich.

Christoph Gisiger, New York

Die amerikanische Wirtschaft taut langsam auf. Gemäss dem neusten Konjunkturbericht des Federal Reserve haben acht der zwölf US-Notenbankdistrikte in den vergangenen Wochen ein «mässiges oder moderates» Expansionstempo verzeichnet. Aufgehellt hat sich die Wirtschaftslage etwa im Grossraum Chicago. Auch in der Umgebung von New York und Philadelphia hat sich das Wachstum nach der Verlangsamung im Winter beschleunigt.

Mit dem freundlicheren Wetter habe sich der Konsum in den meisten Regionen Amerikas belebt, hält der Beige Book genannte Konjunkturüberblick des Fed weiter fest. «Die Autoverkäufe haben in den Distrikten von New York, Philadelphia, Richmond, Atlanta, Chicago, Minneapolis, und San Francisco zugenommen», heisst es darin. Auch aus dem Tourismus seien generell positive Nachrichten zu hören, ist dem Bericht zu entnehmen, der die Zeitspanne von Anfang März bis zum 7. April umfasst.

Arbeitsmarkt noch lange nicht gesund

Fed-Chefin Janet Yellen fürchtet dennoch, dass die US-Wirtschaft noch lange brauchen wird, um sich vollständig von der Rezession zu erholen. Wie sie am Mittwoch in einem Referat vor dem Economic Club of New York ausführte, werde es gemäss den Prognosen der US-Notenbank «noch mehr als zwei Jahre» dauern, bis die Arbeitslosenrate auf das Niveau von 5,2 bis 5,6% sinken werde, das das Fed langfristig anstrebt. Im März bezifferte sich die Arbeitslosenquote auf 6,7%.

Besorgnis äusserte Yellen vor allem wegen der tiefen Inflation, die auf Dauer in eine Deflation münden und damit zu «einer anhaltenden Periode mit einer sehr schwachen Wirtschaftsleistung» führen könnte. Doch selbst wenn eine Deflation verhindert werde, sei eine lange Phase mit sehr geringer Teuerungsrate ebenfalls gefährlich, sagte die Fed-Vorsteherin. Das, weil es dadurch für Haushalte und Unternehmen schwieriger sei, ihre Schulden abzuzahlen, was wiederum das Wirtschaftswachstum bremse.

Kaum Gefahr eines Teuerungsschubs

Gemäss dem US-Arbeitsdepartement haben sich die Konsumentenpreise im März verglichen mit dem Vorjahresmonat 1,5% erhöht. Lebensmittel- und Energiekosten ausgeklammert, betrug der Zuwachs 1,7%. Mehr Gewicht misst die US-Notenbank jedoch dem Index zu den Verbraucherpreisen des Wirtschaftsdepartements zu. Er notierte im Februar 0,9% höher als vor einem Jahr. Ohne Lebensmittel- und Energiekosten resultierte ein Plus von 1,1%.

Das Risiko, sagte Yellen, dass die Teuerung in den USA wesentlich über die vom Fed anvisierte Zielrate von 2% steige, sei «signifikant geringer als die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Inflationsrate unter 2%». Entsprechend müsse das Fed an einer stimulierenden Geldpolitik festhalten: «Je weiter das Beschäftigungsniveau und die Inflation von ihrem jeweiligen Ziel entfernt sind, und je langsamer sie sich ihm annähern, desto naheliegender ist es, am aktuellen Zielband für die Federal Funds Rate festzuhalten», meinte Yellen.

Entspannung am Aktienmarkt

Solche Äusserungen werden an der Börse gerne gehört. Der Leitindex S&P 500 (SP500 2954.22 -0.82%) schloss am Mittwoch gut 1% im Plus auf 1862,31. Nachdem die Kurse zuletzt unter Druck geraten waren, hat sich die Nervosität am amerikanischen Aktienmarkt etwas gelegt. Eine unerfreuliche Überraschung gab es allerdings nach Handelsschluss, als Google mit den Quartalszahlen aufwartete. Der Internetriese verfehlte mit dem Gewinn wie auch mit dem Umsatz die Erwartungen, worauf die Valoren nachbörslich rund 4% zurückgestuft wurden.

Seit der letzten Fed-Sitzung von Mitte März bemüht sich Yellen offensichtlich, milde Töne anzuschlagen und die Angst im Markt vor einer Zinswende zu dämpfen. Zum nächsten Mal werden sich die US-Währungshüter Ende April treffen. Grosse Überraschungen sind nicht zu erwarten. Investoren rechnen damit, dass die US-Notenbank das Stimulusprogramm QE3 weiter zurückfahren und die Wertschriftenkäufe ab Mai weiter von 55 auf 45 Mrd. $ pro Monat senken wird.