Der Schriftsteller Stefan Zweig, vor den Nazis aus Österreich geflohen, schrieb 1941 die Monografie «Brasilien – Ein Land der Zukunft». Dieses Etikett haftet: Die Zukunft will partout nie Gegenwart werden. Gerade jetzt nicht; Wälder brennen, die Wirtschaft stagniert, ein Rabauke regiert. Vor einem, zwei Jahrzehnten sah es besser aus. Präsident Cardoso besiegte um die Jahrtausendwende die Hyperinflation, unter seinem Nachfolger Lula entkamen viele Brasllianer der Armut, dank der hohen Rohstoffpreise. Freilich verhedderte sich Lula alsbald in Korruption, seine Nachfolgerin Rousseff wurde geschasst, und jetzt hält mit Jair Bolsonaro ein Typus Tropen-Trump das Steuer. Schier scheint sich zu bestätigen, was Zweig als das damals gängige europäische Vorurteil über Brasilien beschrieb: Ein Land «. . . mit unruhigen politischen Verhältnissen und desolaten Finanzen, unordentlich verwaltet». Doch Brasilien ist riesig und vielfältig. Tief im Süden etwa liegt die propere Stadt Blumenau, deren Anmutung von ihren deutschen Gründern kündet. Das Blumenauer Oktoberfest ist die zweitgrösste Volkssause des Landes, nach dem Karneval von Rio. Die ortsansässige Brauerei «Eisenbahn» dürfte derzeit Sonderschichten einlegen. (Bild: Keystone)