Fast meint man, den Ruf des Muezzins zu vernehmen – über den Dächern von Dresden. Doch das «Minarett» ist ein verkappter Schornstein, die Kuppel ziert eine ehemalige Zigarettenfabrik. Das 1908/09 erstellte, kitschig-charmante Gebäude ist benannt nach dem Anbaugebiet des Tabaks, der dort verarbeitet wurde: Yenidze, heute in Nordostgriechenland, einst im Osmanischen Reich gelegen. Der Architekt heiratete später eine Halbschwester Hitlers; damals verfing das Flair des Orientalischen an der Elbe eben noch bis ins stramm deutsche Lager. Heute ist die Sache vertrackter. Am 1. September bestellt Sachsen den Landtag neu. Der CDU, die seit der Wiedervereinigung stets den Ministerpräsidenten stellt, drohen heftige Verluste; ihre Regierungspartnerin SPD muss sich auf ein einstelliges Ergebnis gefasst machen. Die beiden (Ex-)Volksparteien dürften addiert nur mit Mühe 40% erreichen. Dazugewinnen wird hingegen die AfD, die Fremdländischem reserviert gegenübersteht; der Gegen-rechts-Daueralarm in westdeutschen Medien dürfte die Widerborstigkeit etlicher Sachsen sogar noch anstacheln. Wenn es über der CDU-SPD-Koalition in Dresden dämmert, könnte es für die Groko in Berlin düster werden. (Bild: Keystone)