Im Regierungsviertel von Indianapolis, der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaats Indiana, steht ein Abbild des jungen Abraham Lincoln: vorteilhaft bartlos. Ohne die Entschlossenheit des Republikaners Lincoln (1809–1865) gäbe es die Union nicht mehr. Im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 beendete er die Sezession der Südstaaten, die an der Sklaverei festhalten wollten. Lincoln war kein Freund der Sklavenhaltung, aber auch kein feuriger Abolitionist; er wollte die «Peculiar Institution» zunächst schrittweise abschaffen und die «Besitzer» entschädigen. 1862 schrieb er: «Mein oberstes Ziel in diesem Krieg ist es, die Union zu retten; es ist nicht, die Sklaverei zu retten oder zu zerstören.» Die Emanzipation trieb er primär aus strategischer Nutzenerwägung voran: «Alles, was ich in Bezug auf die Sklaverei und die Schwarzen tue, geschieht, weil ich glaube, dass es hilft, die Union zu ­retten.» Als alter weisser Mann – um diese einfältige Phrase zu persiflieren – machte er somit aus der Not eine Tugend. Denkbar, dass wegen Lincolns nicht ganz dem Reinheits­gebot von heute entsprechender Motivation sogar seine Statuen in Gefahr kommen. Die Bilderstürmer unserer Tage machen ja eher aus vermeintlicher Tugend eine Not. (Bild: Mint Images/Keystone)