Unternehmen / Gesundheit

Ypsomed hat eine grosse Lücke zu füllen

Analyse | Das Medtech-Unternehmen wächst rasch mit Injektionssystemen. Die Expansion in der Diabetesversorgung dagegen harzt.

Der ­Lauf der Ypsomed-Aktien ist jäh gestoppt worden. Nach einem steilen Anstieg im Oktober büssten sie am Dienstag bis zu 9% ein.

Schwächere Semesterzahlen und die Reduktion der Jahresprognose bewogen Investoren, sich aus den Titeln des Burgdorfer Medizinaltechnikunternehmens zu verabschieden. Auch auf niedrigerem Niveau ist viel Zukunftshoffnung in der Bewertung enthalten.

Schon im Mai, nach der Publikation der Bilanz des vergangenen, Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahrs, korrigierten die Titel. Die aktuelle Leistungskraft des Unternehmens einzuschätzen, fällt nicht leicht. Umsatz, Betriebsergebnis und Gewinn schrumpften erheblich.

Der US-Insulinpumpenhersteller Insulet kündigte Mitte 2018 einen Vertrag für den Vertrieb seiner Pumpe Omnipod in Europa. Im Vergleich zum Vorjahressemester ging der Umsatz dadurch 100 Mio. Fr., der Betriebsgewinn Ebit 62 Mio. Fr. zurück.

Renitenter Ex-Partner

Im Vorjahresresultat verbuchte Ypsomed (YPSN 159.2 0.89%) einmalig 50 Mio. Fr. Entschädigung durch Insulet. Bis Ende September hat der ehemalige Kooperationspartner allerdings erst 5 Mio. Fr. überwiesen. Es könnte bis ins Geschäftsjahr 2022/23 dauern, bis der Rest eintrifft.

Im fortgeführten Geschäft hat sich die Gruppe mässig bis sehr gut entwickelt. Der vergleichbare Umsatz stieg 21%, der Ebit – von bescheidenem Niveau aus – rund 71%. Insgesamt fielen der ausgewiesene Umsatz und die Gewinnzahlen unter den Erwartungen aus, weil ein niedrigerer Euro-Franken-Kurs belastete.

Aus diesem Grund kappte die Geschäftsleitung auch die Jahresprognose: Statt 415 Mio. Fr. Umsatz werden bis Ende März 400 Mio. erwartet, statt eines Ebit von 25 bis 30 ein solcher von 21 bis 25 Mio. Fr. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2017/18 hatte Ypsomed 466 Mio. Fr. Umsatz und ein operatives Ergebnis von 61 Mio. Fr. erreicht.

Mittelfristig, bis in drei bis vier Jahren, peilt Ypsomed nach wie vor einen Ebit von mehr als 100 Mio. Fr. an. Die Zuversicht wird vor allem durch eine gemäss Michel «proppenvolle Auftragspipeline» im Segment der Injektionssysteme genährt.

Der Umsatz mit Pens und Medikamentenverabreichungssystemen (vorgefüllte Spritzen) nahm 55% zu, und auf Gewinnebene ist es gegenwärtig die Sparte, die Geld ­einbringt – auch dank Rechnungstellung in Franken sehr gutes Geld, wie der CEO durchblicken liess.

Nicht einfach in Übersee

Das lässt sich vom andern Segment nicht behaupten. In der Diabetesversorgung, namentlich mit Insulinpumpen, muss Ypsomed die Omnipod-Delle mit eigenen Produkten ausbügeln. Die Einnahmen mit der YpsoPump entwickelten sich mit einem Plus von 18% verhalten. Der hohe Aufwand für Marketing und Vertrieb und Verzögerungen im Absatzplan hatten zur Folge, dass YpsoPump das Ergebnis mit 21 (Vorjahr: 11) Mio. Fr. belastete.

In Kanada wurde die Pumpe zugelassen, doch war­tet Ypsomed auf Rückvergütungen. Der Markteintritt in die USA ist weiter, auf Mitte 2021, verschoben worden. Im Unterschied zu Europa hat Ypsomed im Rie­senmarkt keinen Namen und hat entschieden, das neue Pumpensystem dort mit einem integrierten Blutzuckermess­system zu ergänzen.

Bislang hat das Unternehmen 18 000 YpsoPumps verkauft. Die Gewinnschwelle liegt bei 50 000 Stück. Ziel ist, in fünf Jahren 100 000 abzusetzen.

Tragisch sind die Verzögerungen in Übersee nicht, doch zeigt sich, dass die Transformation von Ypsomed wohl länger dauert als angenommen. Eile für ein Engagement besteht daher nicht. Die Bewertung ist hoch, entsprechend einem Unternehmen in einer Turnaround-Situation.

 

 

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