Zu fernen Vorkriegszeiten – Ende Januar – erstrahlte Vilnius in den Farben einer Reihe von Lichtinstallationen, hier vor dem Palais der litauischen Grossfürsten. Erste schriftliche Erwähnung fand die Stadt 1323. Damals sandte Grossfürst Gediminas Briefe, in Latein, versteht sich, an Kaiser, Papst, Ritterorden und Handelsstädte, um Gelehrte, Handwerker und Kaufleute anzuwerben. Gediminas betrachtete sich als König der Litauer und der Ruthenen; schliesslich hatte er auch weite slawisch besiedelte Landstriche und Städte unter seine Herrschaft gebracht: Smolensk, Pskow, Witebsk – und Kiew, zum Beispiel. Mittelalterlichen Herrschern war die Muttersprache ihrer Untertanen wurst, bloss folgsam mussten sie sein und den Zehnten bezahlen. Noch Napoleon kümmerte es nicht, dass viele seiner Soldaten kaum Französisch sprachen. Der sprachnationalistische Furor setzte erst im 19. Jahrhundert so richtig ein. Die Zaren bedrängten das altertüm­liche Litauisch, später die Kommunisten ebenso. Linguisten kennen diesen Satz aus einem litauischen Sprichwort: Dievas davė dantis – Gott gab Zähne. Astreines Indogermanisch, wie Latein (deus dedit dentes) und Sanskrit (devas adat ­datas). Ein Appell auch, ab und zu die Zähne zu zeigen. (Bild: AP Photo/Mindaugas Kulbis)