Meinungen

Zahme Finma

Der abtretende Direktor Mark Branson hat sich seine Meriten verdient. Doch die Finanzaufsicht hat unter ihm die letzte Konsequenz missen lassen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Bei allem Lob: Branson hätte mehr machen können, er hätte mehr machen müssen.»

Der Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) soll Präsident des deutschen Pendants, der BaFin, werden. Mark Bransons Leistungsausweis hat ihn auf das Radar der deutschen Regierung gebracht. Ein erfahrener Experte von aussen soll die BaFin nach dem Wirecard-Skandal nun reformieren.

Branson machte seinen Job als Finma-Chef offenbar derart gut, dass die Banken einst über das Parlament Abhilfe suchten. Sie erreichten, dass der Bundesrat seine Behörde via Verordnung zurückband. Ein Lehrbeispiel für die Verquickung zwischen Schweizer Finanzwirtschaft und Politik. Doch bei allem Lob: Branson hätte mehr machen können, er hätte mehr machen müssen. Trotz neuer Kapitalstärke ist bis heute nicht ausgeschlossen, dass der Staat die Grossbanken im Notfall doch wieder retten muss. Und auch punkto Geldwäscherei ist Bransons Finma nicht den ganzen Weg gegangen.

In jedem grossen internationalen Skandal der letzten Jahre waren Schweizer Banken involviert, darunter die grössten Häuser des Landes: UBS (UBSG 15.62 -5.79%), Credit Suisse (CSGN 8.88 -3.48%) und Julius Bär (BAER 57.28 -3.89%). Zwar rügte die Finma öffentlich und verlangte interne Verbesserungen, doch den unrechtmässig erwirtschafteten Gewinn zog sie bei den Häusern nicht ein. Die obersten Verantwortlichen und Handelnden liess sie unbehelligt.

Selbst von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz liess sie einst ab, es war die Staatsanwaltschaft, die den Faden aufgenommen hat und ihn wegen krummer Geschäfte vor Gericht stellt. So gilt die Finma im Ausland heute zu Recht als zahm. Die letzte Konsequenz hat Branson missen lassen. Die obliegt jetzt seinem Nachfolger.