Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Corporate Governance
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Die kommenden heiss umkämpften Generalversammlungen bieten Gelegenheit, mehr Aktionärsdemokratie einzufordern. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Adrian Blum.

«Sich ein Urteil zu bilden, fällt im Fall Komax vergleichsweise leicht.»

Über Langeweile an Generalversammlungen können Aktionäre von Schweizer Unternehmen in der laufenden Saison nicht klagen. Nicht nur, dass die Umsetzung der Initiative gegen übermässige Vergütungen besonderes Augenmerk verlangt und auch zu deftiger Kritik Anlass gibt. Darüber hinaus wird es gleich an drei Aktionärstreffen zu aussergewöhnlichen Situationen kommen: Sika, Holcim und Komax.

Sich ein Urteil zu bilden, fällt dabei im Fall Komax vergleichsweise leicht. Im Sinne des Prinzips «eine Aktie, eine Stimme» ist der Aufhebung der Stimmrechtsbegrenzung auf 5% zuzustimmen. Es wäre auch ein Signal an andere: Es geht doch.

Für Holcim gilt: lieber nicht. Rein theoretisch ist es sinnvoll für den Zementhersteller, sich durch Akquisitionen global besser zu positionieren – aber bitte nicht mit einer «Fusion unter Gleichen». Das Zusammengehen mit Lafarge folgt jetzt schon zu wenig ökonomischen und zu sehr politischen Kriterien. Das wird so weitergehen, zum Schaden des neuen Unternehmens. Mit einem Nein zur Kapitalerhöhung kann die Fusion verhindert werden. Dann kann sich Holcim im Alleingang stärken und ihre Position zu einem späteren Zeitpunkt besser ausspielen, in einer sauberen Übernahme mit klaren Verhältnissen.

Und Sika? «Ja» zur Wiederwahl des bestehenden Verwaltungsrats. Damit setzen die Publikumsaktionäre ein Zeichen gegen das unfaire Verhalten der Besitzerfamilie und des Kaufinteressenten Saint-Gobain. Die Wiederwahl des amtierenden Gremiums ist dabei als klarer Auftrag zu sehen: ein Jahr Zeit, sich mit dem bisherigen Grossaktionär, der Schenker-Winkler Holding, zusammenzusetzen und reinen Tisch zu machen – weg mit dem Opting-out, weg mit der Vinkulierung und her mit der Einheitsaktie.

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