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Zeit für eine Nixon-Einsicht

Markus Diem Meier

Vor einem halben Jahrhundert, im August 1971, hob der damalige US-Präsident Richard Nixon den Gold-Dollar-Standard einseitig auf. Dieser band die Währungen der Welt an den Dollar und diesen wiederum ans Gold. Das System war nicht mehr nachhaltig.

Vor zehn Jahren, im September 2011, führte die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine Untergrenze für den Europreis ein, weil selbst massivste Devisenkäufe eine dramatische Aufwertung des Frankens nicht aufhalten konnten.

Beide Ereignisse sind insofern nicht Geschichte, als die Verwerfungen im Geldsystem bis heute alles andere als ausgestanden sind. Die Unruhe und die Zügellosigkeit im internationalen Geldsystem haben sich sogar noch dramatisch weiter verschärft. Das fordert die SNB besonders heraus, weil das der Schweizer Währung als sicherem Hafen inmitten aller Stürme immer wieder starken Auftrieb gibt – was sie verhindern will.

Seit Jahrzehnten fallen die Zinsen. Und obwohl sie seit der Corona-Krise ihre Geldspritzen weiter stark ausgeweitet haben, halten die mächtigsten Notenbanken an ihrer expansiven Politik fest. Auch der jüngste Anstieg der Teuerung ändert daran nichts. Schon angesichts dieses Umfelds wagt die SNB keinen Alleingang – wiederum aus Angst vor einem erneuten Aufwärtsschub des Frankens.

Das bestätigt im Kern auch SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Gleichzeitig warnt er vor den Gefahren der Tiefzinspolitik: An den Immobilien- und Kapitalmärkten befeuerte sie Blasen, die Bereitschaft zu immer höheren Risiken und die Sorglosigkeit.

Damit drohen künftig nicht nur schwere Krisen, wie sie sich in der Geschichte immer wieder als Folge von Einbrüchen an Kapital- und ganz besonders an Immobilienmärkten gezeigt haben. Die Entwicklung spaltet auch Gesellschaften, weil sie die Ungleichheit erhöht.

Notenbanker beschwichtigen noch immer mit dem Argument, ihre Politik werde sich künftig wieder normalisieren. Auch die Teuerung gehe wieder zurück. Nur glauben das immer weniger Beobachter. Schliesslich hält der Ausnahmezustand schon rund 13 Jahre an, und nichts deutet auf ein Ende hin.

Vor 50 Jahren hat Richard Nixon erkannt, dass das hergebrachte System der Geldpolitik gescheitert ist. Jetzt stehen wir wieder am gleichen Punkt. Das Paradigma der vergangenen Jahrzehnte hat genauso versagt, wie einst der Gold-Dollar-Standard. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?