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Zentralbanken haben den Goldmarkt gerettet

Ohne die Notenbanken wäre die Nachfrage nach dem Edelmetall letztes Jahr eingebrochen.

Alexander Trentin

Auf den ersten Blick sieht der Goldmarkt gesund aus. Im vergangenen Jahr wurden 4345 Tonnen Gold (Gold 1629.67 -0.94%) gekauft – 185 Tonnen mehr als 2017. Das zeigen die neusten Zahlen des World Gold Council, einer Organisation von Goldminenbetreibern.

Ein Blick unter die Oberfläche (vgl. Grafik unten) zeigt jedoch, dass ein Nachfragefaktor der grösste Treiber war. Die Zentralbanken und andere staatlichen Stellen haben 276 Tonnen mehr gekauft und damit die Nachfrage kräftig gestützt. Ohne die Notenbanken wäre die Goldnachfrage 2018 gesunken.

Schwellenländer-Notenbanken kaufen zu

«Die Zentralbanken haben so viel Gold gekauft wie seit dem Zusammenbruch des Goldstandards unter dem Bretton-Wood-System nicht mehr», erklärt John Mulligan, Leiter Market Relations beim World Gold Council, gegenüber FuW.

Die europäischen Notenbanken hätten lange Zeit ihre Goldpositionen abgebaut, da sie einen Überhang aus der Zeit des Goldstandards gehabt hätten, sagt Mulligan. Dieser Verkaufsdruck sei nun vorbei. Stattdessen würden die Zentralbanken von Schwellenländern – insbesondere China, Russland und Kasachstan – als Käufer auftreten.

«Die Motivation für einen höheren Anteil von Gold an den Zentralbankreserven ist die Diversifikation weg vom Dollar», beobachtet Mulligan. Er erwartet, dass andere Notenbanken von Schwellenländern folgen werden. «Der Trend hält schon seit der Finanzkrise 2008 an, als die Zentralbanken sich besorgt zeigten über das Klumpenrisiko und die Volatilität von Dollaranlagen.»

Die Notenbanken agierten aber auch taktisch, meint Ned Naylor-Leyland, Manager eines Edelmetallfonds bei Merian Global Investors: «Die Notenbanken haben gesehen, dass Gold günstig ist, und haben daher ihre Goldreserven ausgebaut.»

Gold-ETF im Aufwind

Während die Zuwendung der Zentralbanken zum Edelmetall der Goldnachfrage einen Schub gegeben hat, sind die Käufe der börsengehandelten Fonds (ETF) auf Gold vergangenes Jahr geringer ausgefallen. Fondsmanager Naylor-Leyland meint: «Die ETF-Flüsse sind hauptsächlich vom Momentum getrieben – weil dort private Investoren und Spekulanten den Grossteil der Aktivität ausmachen.»

Ohne das starke vierte Quartal wäre die Nachfrage durch ETF-Käufer geringer ausgefallen, beschreibt Mulligan die Entwicklung: «Vor einem halben Jahr waren Investoren noch auf den amerikanischen Aktienmarkt ausgerichtet. Nun gibt es ein neues Bewusstsein für die bestehenden Risiken.» Davon habe Gold profitiert.

Ob institutionelle Investoren nun die strategische Allokation in Gold erhöhen, oder ob es sich nur um taktische Käufe handelt, «kann man aber anhand eines Quartals nicht sagen», führt Mulligan aus. Noch seien institutionelle Investoren weiterhin in Gold «unterinvestiert» – das Potenzial sei gross.

Nima Pouyan, Leiter Invesco ETF Schweiz & Liechtenstein, sieht die Goldvehikel durch die globale Unsicherheit im Aufwind: «Trotz des hohen Zinsniveaus in den USA und den damit hohen Opportunitätskosten überwiegt aufgrund der politischen Risiken der Wunsch der Absicherung.» Die Absicherung sei über Gold-ETF am günstigsten und effektivsten.

Die untenstehende Grafik vom World Gold Council zeigt: Mit der Schwäche der Aktienmärkte flossen auch neue Gelder in die Gold-ETF.

Andere Nachfragequellen stabil

Die ETF und die Zentralbanken bewirkten die grössten Veränderungen unter den Nachfragequellen. Dagegen blieb die physische Nachfrage nach Gold stabil. Der Bedarf an Barren und Münzen (vgl. Grafik rechts) hat sich von Jahr zu Jahr kaum verändert. Auffällig ist nur, dass im vergangenen Jahr ein Grossteil der Käufe auf das zweite, volatilere Halbjahr gefallen ist.

Auch die Nachfrage nach Schmuck hat sich nur wenig verändert. Weniger wurde aus dem Nahen Osten und der Türkei nachgefragt. Dagegen haben gemäss World Gold Council mehr Käufe aus China und den USA den Rückgang wettgemacht. Während Gold als Anlageobjekt von einem als riskanter eingestuften Wirtschaftsumfeld profitiere, schwäche dies aber die Schmucknachfrage, gibt Mulligan zu bedenken. «Wenn sich die Konsumstimmung trübt, wird auch weniger Goldschmuck gekauft», erklärt der Vertreter des World Gold Council. Nach drei starken Quartalen im Jahr 2018 sei das letzte Quartal schwächer ausgefallen.

Besonders die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei lässt sich an der physischen Goldnachfrage ablesen. Sie ist im dritten Quartal kollabiert. Da konnte Gold seinen Ruf als sicherer Hafen nicht erfüllen. Türkische Konsumenten haben wohl lieber in Euro und Dollar umgeschichtet, statt sich mit Goldschmuck abzusichern.