Unternehmen / Schweiz

Zentrallabor Bern wechselt in australischen Besitz – Weltweit führende Position – Mittel bleiben in Stiftung

Das Zentrallaboratorium Bern wird an das australische Biopharmaunternehmen CSL verkauft. Damit entsteht der weltweit drittgrösste Verarbeiter von Blutplasma. Die Australier entrichten den stolzen Preis von 860 Mio. Fr., beziehungsweise von 973 Mio. Fr., wenn gewisse Ertragsziele in den kommenden Jahren erreicht werden. Der Preis ist gemessen an den Eckwerten des ZLB hoch: Es erzielte 1999 einen Umsatz von 263 Mio. Fr. und einen Gewinn von 10,8 Mio. Fr. Die Australier bezahlen damit das Achtzigfache des Gewinns! Der Preis ist auch hoch gemessen an Umsatz und Ertrag der in Australien kotierten CSL (vgl. Kasten).
Das ZLB wurde im Jahr 1949 gegründet und gehört der Rotkreuzstiftung Zentrallaboratorium Blutspendedienst SRK. Es wurde gegründet, um Trockenplasma und Geräte für Bluttransfusionen und zur Bestimmung von Blutgruppen herzustellen. Im Zuge der rasanten Entwicklung der Märkte ist das ZLB rasch gewachsen und in seinem Markt zu einem Unternehmen von Weltrang geworden. Dieser Umstand hat die Stiftung gemäss den Ausführungen von Stiftungsratspräsident Otto Schoch im vergangenen Herbst zum Entscheid geführt, den industriellen Teil des ZLB zu verkaufen, erachtet sie es doch nicht als ihre Aufgabe, ein industrielles Unternehmen zu führen. Der Verkauf wurde an drei Auflagen gebunden: Das ZLB muss als eigenständige unternehmerische Einheit erhalten bleiben, der Standort Bern ist unverrückbar, und die Mitarbeiter (zurzeit rund 560 Personen) sind weiter zu beschäftigen.
Es sind insgesamt 13 Offerten für den Kauf des ZLB eingegangen. Fünf Offertsteller wurden in die engere Wahl einbezogen: ausser der CSL die Berner Asklia und Novartis sowie die Investmentgesellschaften Morgan-Grenfell und Warburg Pincus. Der Entscheid für CSL entbehrt nicht der Logik: Die Australier sind in derselben Branche tätig wie das ZLB, pflegen eine lange Zusammenarbeit mit dem australischen Roten Kreuz und sind bereit, alle drei Auflagen der Stiftung vorbehaltlos zu garantieren.
Asklia dagegen ist branchenfremd und war nicht in der Lage, einen vergleichbaren Preis zu entrichten. Novartis, bislang Kunde des ZLB, machte wohl das höchste Gebot, blieb aber in Bezug auf die Auflagen unbestimmter als CSL. Für CSL öffnet die Übernahme das Tor in die USA, ist doch die Berner Fabrik auch im Besitz einer US-Lizenz für ihre Blutplasmaprodukte. Zudem erhofft sich CSL von der Akquisition erhebliche Synergieeffekte.
Der Verkauf des ZLB (der Abschluss ist für den Juli vorgesehen) spült der Stiftung fast 700 Mio. Fr. in die Kasse. Die Differenz zum Kaufbetrag macht ein nachrangiges Darlehen der Stiftung an die CSL aus. Die konkrete Verwendung der Mittel ist im Detail noch nicht festgelegt.
Franz Muheim, Präsident des SRK, hielt jedoch fest, dass die Gelder in der Stiftung bleiben. Die Kapitalerträge sollen vorab für Projekte eingesetzt werden, die die Sicherheit und Qualität der Blutprodukte hier zu Lande oder in Entwicklungsländern erhöhen. Daneben sollen sie für Aufgaben, die sich aus dem Zweck des Roten Kreuzes in Kriegszeiten oder im Fall von Naturkatastrophen ergeben, sowie als Reserve für dringende Bedürfnisse eingesetzt werden.
Die wenig bestimmte Verwendung der Mittel weckt Begehrlichkeiten. Sollte es dem SRK innerhalb nützlicher Frist nicht gelingen, den Bestimmungszweck zu konkretisieren, stehen wohl erhebliche Verteilungskämpfe ins Haus.

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