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Zertifikateindizes schaffen VerständnisDrei Benchmarks der Derivatbörse Scoach zeigen den Kursverlauf von Derivaten auf – Richtig angewendet, lassen sich mit Zertifikaten attraktive Renditen erzielen

Andreas Stocker

Strukturierte Produkte zu verstehen ist nicht leicht. Einerseits ist ihre Konstruktion komplex – sie setzen sich aus mehreren Wertschriften zusammen. Anderseits ist ihre Kursentwicklung während der Laufzeit nicht einfach nachvollziehbar. Das Auszahlungsprofil der Instrumente (Payoff-Diagramm), das in den Produktbroschüren aufzufinden ist, gilt per Verfall und lässt nur schwer auf den Kursverlauf schliessen.

Damit Anleger besser verstehen, wie sich Zertifikate während der Laufzeit verhalten, wurden im Juni 2010 drei Indizes von der Schweizer Derivatbörse Scoach in Zusammenarbeit mit dem Datenanbieter Derivative Partners (DP) lanciert. «Die Benchmarks wurden geschaffen, damit Investoren die Kursentwicklung von Zertifikaten besser nachvollziehen können», erläutert André Buck, Head of Sales and Marketing der Scoach. Es handelt sich um Indizes auf Partizipations-, Renditeoptimierungs- und Kapitalschutzprodukte (vgl. Grafik). Die Benchmarks wurden bis Ende Februar 2009 zurückgerechnet (Backtesting). Alle in den Indizes enthaltenen strukturierten Produkte beziehen sich auf den Swiss Market Index SMI.

Selektionsprozess

Die Barometer enthalten minimal fünf und maximal zehn strukturierte Produkte. Diese müssen von mindestens drei verschiedenen Emittenten stammen, damit soll kein Klumpenrisiko zu einer Gegenpartei entstehen. Alle ein bis zwei Monate – je nach Benchmark – wird die Indexzusammensetzung überprüft und gegebenenfalls angepasst.

DP ist für die Zusammensetzung der Indizes verantwortlich und basiert die Selektion der Derivate auf der durchschnittlichen Geld- und Briefspanne (Spread) und dem gemittelten verfügbaren Volumen der Zertifikate. Der Selektionsprozess filtert überdies die kostengünstigsten (Fair Value) Zertifikate heraus.

Geringere Volatilität als SMI

Der Scoach Participation Index SCOP spiegelt die Entwicklung von Partizipationsprodukten wie Bonus- und Tracker-Zertifikaten (vgl. Tabelle). Während der SMI seit Ende Februar 2009 rund 33% avancierte, kletterte SCOP in derselben Periode 39%. SCOP konnte den SMI somit übertrumpfen.

Martin Meier, Marktanalyst bei DP, erklärt: «Der Verlauf des SMI und des SCOP-Index unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum. Auf den zweiten Blick ist jedoch zu erkennen, dass die SCOP-Benchmark eine geringere Volatilität, also Schwankungsbreite, aufweist als der Basiswert der Instrumente.» Somit könne mit Partizipationsprodukten annähernd die Rendite einer Direktanlage erzielt werden, dies jedoch mit geringerem Risiko, ergänzt Meier.Die Benchmark auf Renditeoptimierungsprodukte, der Scoach Yield Enhancement Index SCOY, avancierte in den Haussephasen von Anfang 2009 sowie Herbst 2011 weniger als der SMI. Grund sind die enthaltenen Barrier Reverse Convertibles und Discountzertifikate, die die Maximalrendite nach oben begrenzen. In der Baisse federten die Barrieren und die Puffer der Discounter die Kursverluste des Basiswerts SMI aber deutlich ab.Während Renditeoptimierungsprodukte gegenüber dem Basiswert in der Hausse schlechter abschneiden, sind ihre Kursgewinne in einer Seitwärtsphase attraktiv. Sie übertrumpften den SMI bspw. in der Periode von Herbst 2009 bis Frühsommer 2011. Renditeoptimierungsprodukte sind demnach attraktive Instrumente, falls der Anleger einen Seitwärtstrend erwartet.Der Scoach Capital Protection Index SCOC, der die Entwicklung von Kapitalschutzprodukten wiedergibt, kletterte seit der Lancierung Anfang 2009 um 0,56%. Seinem Referenzindex, dem SZGATR Index, ein Total-Return-Barometer auf Anleihen der Eidgenossenschaft, war der SCOC somit unterlegen. Der SZGATR Index kletterte rund 16%.

Schutz vor Korrekturen

An der Anleihenhausse, die im Sommer 2011 begann, konnten Kapitalschutzprodukte nur bedingt teilhaben. «Steigende Anleihen haben zwar einen positiven Einfluss auf die Notierungen der Zertifikate. Der Zeitwertverlust der enthaltenen Optionskomponente kann dadurch jedoch kaum wettgemacht werden», ergänzt Meier. Faktoren wie bspw. die Entwicklung des Basiswerts SMI hätten einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Kurse als die Anleihen. Indessen fing der Kapitalschutz während der Korrektur im Sommer 2011 die Kursverluste der Produkte auf – sie gaben kaum nach.

Anzumerken ist: Kapitalschutzzertifikate können während der Laufzeit unter das Niveau des Kapitalschutzes fallen. Zudem ist der Kapitalschutz lediglich so sicher wie die Bonität des Emittenten. Um das Gegenparteirisiko zu reduzieren, lohnt es sich, Zertifikate von mehreren Emittenten zu kaufen oder pfandbesicherte Cosi-Instrumente (Collateral Secured Instruments, Cosi) zu erwerben (vgl. FuW Nr. 28 vom 7. April). Durch die Hinterlegung von Wertschriften (Pfand) bei der Zentralverwahrerin SIX SIS wird das Gegenparteirisiko von Zertifikaten deutlich gesenkt.Bevor der Anleger investiert, muss er sich in erster Linie eine klare Meinung zur künftigen Entwicklung des Basiswerts bilden. So können Enttäuschungen vermieden werden, denn Zertifikate halten, was sie versprechen. Richtig angewandt, können in unterschiedlichen Börsenlagen attraktive Renditen erzielt werden.

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