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ZEW-Konjunkturzuversicht steigt überraschend

Die vom ZEW befragten Anleger blicken erstaunlich positiv auf die kommenden sechs Monate. Die deutsche Wirtschaft werde bald wieder auf Wachstumskurs sein.

(Reuters) Börsianer blicken ungeachtet des Corona-Lockdowns erneut positiver auf die deutsche Konjunktur. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Februar überraschend um 9,4 Punkte auf 71,2 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter Analysten und Anlegern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem Rückgang auf 59,6 Zähler gerechnet. Die konjunkturellen Lage wurde diesmal geringfügig schlechter bewertet.

Die Finanzmarktexperten schauten optimistisch in die Zukunft, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse der Umfrage. «Sie sind zuversichtlich, dass die deutsche Wirtschaft auf Sicht von sechs Monaten wieder auf Wachstumskurs sein wird», sagte er. «Vor allem bei Konsum und Handel wird ein deutlicher Aufholprozess erwartet.» Damit einhergehe auch eine höhere Inflationserwartung.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte Experten zufolge im laufenden ersten Quartal wegen der Corona-Beschränkungen um etwa zwei Prozent sinken. Ab dem Frühjahr wird Europas grösster Volkswirtschaft eine Erholung zugetraut. Im Gesamtjahr könnte es nach Prognose der Bundesregierung zu einem Wachstum von drei Prozent reichen. Das Vorkrisenniveau dürfte damit aber erst Mitte 2022 wieder erreicht werden.

Wirtschaft in Eurozone schrumpft – aber weniger stark als gedacht

Derweil ist die Wirtschaft der gesamten Eurozone inmitten der zweiten Coronawelle Ende 2020 nicht ganz so stark geschrumpft wie gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im Zeitraum von Oktober bis Dezember zum Vorquartal um 0,6%, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. In einer ersten Schätzzahl war von minus 0,7% die Rede gewesen. Wie schwer die Coronakrise noch immer auf der Wirtschaft im Euroraum lastet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum, der noch nicht im Zeichen der Pandemie stand: Das BIP schrumpfte Ende 2020 gegenüber dem vierten Quartal 2019 um 5%.
Im Sommer 2020 hatte sich die Konjunktur von den schweren Folgen der ersten Coronawelle erholt und war im Vergleich mit dem zweiten Quartal um 12,4% gewachsen. Im Gesamtjahr 2020 schrumpfte die Wirtschaft im Euroraum um 6,8%.

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