Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
«Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck» – so singt Kálmán Zsupán in der Operette «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss (Sohn). In der Tat war im Königreich Ungarn, in der transleithanischen Hälfte der Donaumonarchie, die Schweinezucht ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die Aktie der «Ersten Ungarischen Borstenvieh-Maststall- u. Vorschuss-Gesellschaft» von 1869 zeigt: Diese (buchstäblich!) Fressaktie zog magyarisches, deutschösterreichisches und sogar russisches Kapital an. Das Unternehmen wurde mit 500 000 Gulden Aktienkapital gegründet und hatte seinen Sitz in Pest (die Fusion von Buda, Óbuda und Pest zu Budapest erfolgte erst 1873). Die Gesellschaft mästete jährlich über eine halbe Million Sauen. Die ungarische Staatsbahn legte für den Abtransport von fast 2000 Tieren täglich eigens eine Zweigstrecke. Die Skizze der Anlagen lässt deren Grösse erahnen.
Die Borstenvieh-Maststall betrieb auch eine eigene Mühle sowie ein Hotel, wo die Gäste gemästet wurden; hoffentlich stand das Etablissement in sicherer Duftdistanz zu den Stallungen. Die Gesellschaft trat 1913 – trotz bedenklich verbreiteter schweinischer Fleischeslust – in Liquidation. Vielleicht hatte die Geschäftsleitung genau das fatale Problem, von dem der Schweinefürst Kálmán Zsupán so wurstig trällert: «Das Schreiben und das Lesen ist nie mein Fach gewesen.»

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.