Unweit von Schanghai entsteht das Intercontinental Shimao. Ein Fünfsternehotel – in einem aufgelassenen Steinbruch: Der Empfang ebenerdig, das Dach begrünt, als Park für die Gäste. Die Lifte fahren siebzehn Stockwerke in die Tiefe, zu unterirdischen Suiten mit überirdischem Komfort. High life low down, sozusagen. Sobald das Gebäude fertig ist, wird der Grubengrund geflutet. Die beiden untersten Etagen kommen unter den Wasserspiegel zu liegen. Die Gäste werden dort aus einem Gourmettempel dem appetitanregend schwimmenden Getier zugucken können. Eine Bühne wie geschaffen für eine James-Bond-Szene: 007 bandelt an der Bar («Martini, shaken, not stirred») mit einer Femme fatale an, im Hintergrund gleitet ein zähnefletschender Hai vorüber. Das Konstrukt, Hochbau in der Form von Tiefbau oder umgekehrt, soll 440 bis 550 Mio. Fr. kosten; die Angaben schwanken. Die günstigsten Zimmer – diejenigen mit vulgärem Tageslicht? – werden um 250 Fr. pro Nacht kosten. Dekadenz und Kommunismus finden in der Volksrepublik zu schönster Synthese. Deng Xiaoping hatte den damals ausgehungerten und revolutionsmüden Chinesen vor vier Jahrzehnten geraten: «Werdet reich!» Nun sind sie es.