Meinungen

Zinserhöhung

Die Sorge um steigende Zinsen nimmt besonders in den USA zu. Doch Furcht braucht das Aktieninvestoren nicht einzuflössen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Es gibt ganz einfach viel zu viel Liquidität im Markt, die lohnende Investments sucht.»

Oft kommt es auf die Betrachtungsweise an. Ein Beispiel dafür ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen. Im Vergleich zum Juni vor einem Jahr ist sie um annähernd 100 Basispunkte auf 1,4% gestiegen. Ein satter Sprung. So gesehen ist die Sorge um steigende Zinsen und damit wohl auch ein Gewitter am Aktienmarkt verständlich. Der Vergleich mit der Rendite der Zehnjährigen Ende März dieses Jahres zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Notes rentieren heute 30 Basispunkte tiefer. Also (ALSN 188.60 +0.21%) Entwarnung?

Wie gesagt: Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Die US-Notenbank tagt wieder einmal, und es darf damit gerechnet werden, dass sie am Mittwoch ankündigt, ihr Bondrückkaufprogramm schneller als von vielen erwartet zurückzufahren. Das wiederum dürfte als Signal für eine oder mehrere Zinserhöhungen 2022 gewertet werden, um die Inflation zu dämpfen, die so hoch steht wie seit 1982 nicht mehr, und den Konsumenten Mut zuzusprechen.

Aus und vorbei wäre es also mit den ultratiefen Zinsen und dem billigen Geld, das massgeblich dafür verantwortlich war, dass der Aktienmarkt nur eine Richtung kannte, und zwar nach oben. Das wirft die Frage auf, was danach kommt. Eine Korrektur, eine Seitwärtsbewegung, eine neue Rally, gar ein Crash?

Die einfache Antwort? Der übliche Mechanismus – Bondrenditen nach oben, Aktien nach unten – dürfte dieses Mal zum Glück nicht greifen. Es gibt ganz einfach viel zu viel Liquidität im Markt, die lohnende Investments sucht. Das spricht weiterhin für Aktien. Ausser, die US-Notenbank reagiert zu stark, oder Omikron entpuppt sich doch noch als hartnäckiger Sand im Getriebe der Wirtschaft, sollten Anleger ihre Aktienpositionen nicht abbauen.

Leser-Kommentare

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Jo Fe 14.12.2021 - 21:59

IRRATIONAL EXUBERANCE – „This time it‘s different“ würde R. Shiller sagen