Meinungen

Zinswende: zu früh, zu heftig

Rezessionsängste sind aufgekommen. Um auf sinkende Zinsen zu setzen, ist es aber noch zu früh. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Das Dauerthema Inflation verliert an Einfluss. Das ist nur zum Teil plausibel.»

Ein neues altes Thema hat die Finanzmärkte im Griff. Rezessionsängste flammen auf. In den USA verläuft die Zinskurve bereits invers, zehnjährige Treasuries rentieren etwas weniger als zweijährige. Das Phänomen gilt als Vorbote einer Rezession. Die Abschwungsangst reicht aber weiter. In Europa wird sie von den schwachen Resultaten der Juni-Einkaufsmanagerindizes bestärkt.

Rohstoffpreise gesunken

Die Märkte reagieren heftig. Zu Wochenbeginn sind europäische Aktienindizes markant gefallen. Wichtige Rohstoffe wie Kupfer oder Aluminium sind in den vergangenen Wochen um 30 bis 40% gegenüber ihren Höchstnotierungen abgesackt. Der Dollar haussiert, und der Franken liegt auf der Parität zum Euro. Alles Vorkehrungen gegen einen globalen Wachstumsstopp.

Das Dauerthema Inflation verliert dagegen an Einfluss. Das ist nur zum Teil plausibel. Tatsächlich reagieren die meisten Zentralbanken nach einigen Anlaufschwierigkeiten überzeugend auf die Inflation. Vor allem in den USA zogen daraufhin die Zinserwartungen des Markts besonders kräftig an. Gegenwärtig erleben wir eine Korrektur dieser Übertreibung, wobei die Spekulation über eine Rezession den Zinsrückgang beflügelt.

Vorsicht vor hoher Volatilität

Die Gefahr besteht, dass auch der momentane Stimmungsumschwung und damit einhergehende Portfolioumschichtungen zu heftig ausfallen. Um auf sinkende Zinsen zu setzen, ist es noch zu früh. Das Risiko von Zweitrundeneffekten und einer Stagflation besteht fort. Die Gas- und Strompreise steigen ungebremst. Folglich wird die hohe Volatilität an den Zinsmärkten anhalten, vor allem im Euroraum. Denn dort ist die Ungewissheit über die Konjunktur und die Zinspolitik besonders gross.

Leser-Kommentare