Blogs / Momentum

Zittern im Biotech-Sektor

Das Säbelrasseln Russlands und Befürchtungen wegen der chinesischen Wirtschaft machen Anleger risikoscheuer. Darunter leidet die bis vor kurzem hochgejubelte Biotechnologiebranche.

Praktikus

«Ist die Biotech-Blase geplatzt?», fragen sich die Branchenexperten der Credit Suisse (CSGN 5.60 -2.30%) in einer aktuellen Präsentation besorgt. Hintergrund der am Dienstag aufdatierten Übersicht sind die starken Kursverluste, die Biotechnologiewerte am Montag und am vergangenen Freitag erlitten haben. Der Nasdaq Biotechnology (NBI 3'778.65 +0.76%) Index hat an diesen zwei Handelstagen insgesamt 7,3% auf knapp 2500 eingebüsst. Gegenüber dem noch Ende Februar erreichten Allzeithoch von 2872 hat das wichtigste Branchenbarometer damit bereits 13% korrigiert.

Die Biotech-Analysten der CS, die für mich zu den kompetentesten ihres Fachs gehören, rechnen auf kurze Sicht mit weiterer «Volatilität». Im Klartext bedeutet das, dass sich die Aktionäre von Biotechnologieunternehmen auf weitere Kursverluste einstellen müssen.

Wenn vor dem Hintergrund des Säbelrasselns in Russland oder sich mehrender Anzeichen für eine deutliche Wachstumsverlangsamung in China Anleger risikoscheuer werden, leiden darunter Sektoren wie die Biotech-Branche besonders. Auch grosse Wettbewerber wie der US-Konzern Gilead Sciences und der europäische Branchenprimus Actelion sind vom Erfolg weniger Produkte abhängig. Kleinere Anbieter haben oft überhaupt keine wiederkehrenden Einnahmen, weil ihre Wirkstoffe allesamt noch in Entwicklung sind.

Die Versuchung der Anleger, Biotech-Aktien zu verkaufen, ist auch deshalb gross, weil der Sektor in den letzten knapp drei Jahren weit überdurchschnittlich gut gelaufen ist. Im S&P 500 hätten sich die Biotechnologiewerte verglichen mit dem Tief im August 2011 noch immer verdreifacht (+206%), während der Gesamtindex 69% gewonnen habe, konstatieren die CS-Analysten.

Ich neige zur Vorsicht und rate bis auf weiteres, nur in etablierte Branchenvertreter zu investieren. Anders als Actelion, Gilead oder auch Biogen Idec zählt für mich das Unternehmen Basilea (BSLN 40.00 +1.65%) noch nicht dazu. Wie der Broker Kepler auf eine Übernahme zu wetten, reicht für mich nicht aus, um eine Kaufempfehlung zu rechtfertigen. Die Titel, die im Vergleich zum Allzeithoch im Februar fast 23% auf knapp 100 Fr. verloren haben, sind aber auf meiner Beobachtungsliste.