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«ZKB wird auf keinen Preiskampf eintreten»

Martin Scholl, CEO der Zürcher Kantonalbank, zweifelt an den Wachstumsplänen der Konkurrenz in der Schweiz.

Der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwächst stärkere Konkurrenz. Mehrere Mitbewerber wollen im Heimmarkt expandieren. ZKB-Chef Martin Scholl setzt hinter die ehrgeizigen Pläne vorab der Credit Suisse (CSGN 5.60 -2.30%) ein Fragezeichen. Er erklärt im Interview zudem, wie im Asset Management nach dem Kauf von Swisscanto Kosten gespart werden und weshalb es für die ZKB sinnvoll ist, eine Pensionskasse in Basel zu beraten.

Herr Scholl, die Schweiz ist attraktiv. Etliche Banken – CS, UBS (UBSG 15.67 -1.91%), Raiffeisen, Bär – wollen stark wachsen. Allein Credit Suisse erwartet bis 2018 hier 700 Mio. Fr. Zusatzgewinn. Wappnet sich die ZKB für Angriffe?
Über gewisse Businesspläne kann ich als Aussenstehender nur staunen. Wer innerhalb von zwei Jahren Ertragssteigerungen plant, wie wenn er Geschäfte in der Grössenordnung einer ZKB oder einer Raiffeisen übernehmen könnte, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Realistisch ist in der Schweiz aus meiner Sicht ein in tiefem Bereich einstelliges Wachstum im Rahmen der Wirtschaftsentwicklung von 1 bis 2% jährlich. Das erwarten wir auch für die ZKB.

Dennoch dürften diese Ziele einen Preiskrieg auslösen?
Wettbewerber in schwierigen Situationen versuchen, punktuell über den Preis Geschäfte zu machen. Das lässt sich nicht lange durchhalten. Als Marktführerin in allen Segmenten im Wirtschaftsraum Zürich werden wir nicht auf einen Preiskampf eintreten. Wir sind Qualitätsanbieterin. Die Löhne können wir nur mit Ertrag zahlen, nicht mit Volumen.

Wird es einen neuen Preiskampf bei Hypotheken geben?
Sich auf diesem Zinsniveau und diesen Preisen auf einen Preiskrieg einzulassen, ist nicht opportun.

Wie wird sich der Gewinn der ZKB unter diesen Umständen entwickeln?
Es gibt einen gewissen Ertragsdruck und einen gewissen, teilweise regulatorisch bedingten Kostendruck. Der Gewinn wird tendenziell sinken. Aber ich denke, dass die ZKB für den Kanton Zürich mit einer Rendite von über 7% weiterhin ein sehr gutes Investment ist.

Für die ZKB stellt sich die Frage, wie sie profitabel wachsen kann.
Die Antwort lautet, auf möglichst vielen stabilen Beinen zu stehen. Das tun wir. Wir haben unser Geschäft in den letzten Jahren deutlich diversifiziert. Konkret haben wir den Handel ausgebaut und das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft forciert. Das Ziel sind 55% Zinserfolg, 30 bis 35% Kommissions- und Dienstleistungserfolg und 10 bis 15% Handelsertrag. Diesem Ziel sind wir nahe gekommen.

Wachsen lässt sich zukünftig vor allem bei den Kommissionseinnahmen?
Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zu forcieren, steht strategisch zuoberst auf der Agenda. Es hat weniger Risiken, ist weniger kapitalintensiv und weniger mit Restriktionen belastet. Eine Pensionskasse in Basel zu betreuen, lässt sich mit unserem Leistungsauftrag problemlos vereinbaren.

Vor neun Monaten wurde die Übernahme von Swisscanto vollzogen. Wie weit ist die Integration?
Personell und organisatorisch ist die Integration abgeschlossen. Zurzeit arbeiten wir an der Migration der IT-Systeme.

In welchem Umfang können Synergien durch die Zusammenlegung der Fonds realisiert werden?
Knapp ein Drittel der über 200 Anlagefonds von Swisscanto und ZKB wird fusioniert. Die Synergieziele haben wir nicht öffentlich gemacht, aber hier liegen natürlich wesentliche Einsparmöglichkeiten.

Seit die ZKB die Swisscanto von den Kantonalbanken erworben hat, lancieren diese vermehrt eigene Fonds, etwa die Berner KB. Wie gross sind die Abflüsse?
Die Abflüsse, Marktschwankungen eingerechnet, liegen unter 5% und sind im Rahmen der Erwartungen. Solche Mittelabflüsse gab es bei Swisscanto schon früher, bevor die ZKB Alleineigentümerin wurde. Die Transaktion ist zudem so strukturiert, dass solchen Entwicklungen Rechnung getragen wird.

Offensichtlich sind manche Institute der Meinung, dass sich das Fondsgeschäft problemlos profitabel ausbauen lässt.
Im Asset Management ist die Grösse entscheidend. Die operationellen Risiken, die Breite der Fondspalette und die Kosten sprechen eindeutig für grössere Einheiten mit entsprechendem Know-how.

Vergleichsweise klein ist bei der ZKB das internationale Private Banking. Macht das angesichts der Steuerprobleme Sinn?
Unser Private Banking International verwaltet Vermögen von rund 6 Mrd. Fr. und ist profitabel. Es ist zudem völlig steuerkonform und verzeichnet gute Zuflüsse. Wir sind zuversichtlich, dass es in zwei, drei Jahren wieder auf 10 Mrd. Fr. Vermögen angelangt sein wird. Das zeigt: Swiss Private Banking funktioniert.

Wie läuft die Niederlassung Österreich?
Wir sind zufrieden mit der Entwicklung. Wir werden im Verlauf dieses Jahres die Gewinnschwelle erreichen. Die Niederlassung konzentriert sich auf Österreich und den süddeutschen Raum.

Der AIA steht bevor. Realistischerweise wird es keine Reziprozität geben. Doch Steuerthemen bleiben relevant. Ist die Schweiz überhaupt noch konkurrenzfähig?
Die Schweiz hat die Frage nach der Steuerkonformität richtig beantwortet und dafür auch einen hohen Preis bezahlt. Ein Level Playing Field wird es nicht geben. Damit müssen und können wir leben.

Wie kann die Schweiz aus der Schusslinie von ausländischen Behörden kommen? Im US-Steuerstreit wartet die ZKB noch immer auf eine Lösung. Können Sie wenigstens die Auseinandersetzung mit Deutschland lösen?
Leider waren wir in der Schweiz noch nie gut darin, zwischen Wirtschaft und Politik die Reihen zu schliessen. Deshalb suchen die einzelnen Institute für sich eigene Lösungen. Für uns bedeutet das in erster Linie den Abschluss des US-Falls. Dazu sind wir jederzeit bereit. Andere Themen sind für uns Nebenschauplätze.

Wie sehen Sie die Chance, dass das Finanzdienstleistungsabkommen mit der EU kommt, und was bedeutet dies für die Zukunft des Finanzplatzes?
Diese Chance erachte ich als minim. Zuerst müssen die institutionellen Fragen mit der EU gelöst werden. Für den Finanzplatz bedeutet dies, dass wir alles daransetzen müssen, Bankarbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten. Nur dank der grossen Volumen – von den Grossbanken und von den grossen Privatbanken, aber auch von jeder kleinen Regionalbank – lässt sich die Infrastruktur, beispielsweise die Börse SIX, effizient betreiben.

Und was heisst das für den Marktzugang?
Als Exportland ist der Marktzugang wichtig. Im aktuellen Umfeld ist mit Blick auf das Fremdwährungsgefüge nicht der Marktzugang das primäre Thema, sondern die Frage nach dem Produktionsstandort. Bei diesem Währungsgefüge müssen manche Banken Arbeitsplätze aus Kostengründen ins Ausland verlegen. Die ZKB erzielt praktisch alle Einnahmen in Franken. Für uns steht eine Verlagerung nicht zur Diskussion.

Die Frankenfreigabe und die Negativzinsen durch die Nationalbank waren ein Schock. Hat das der ZKB nicht geschadet?
Für die ZKB ist der Negativzins der Nationalbank erfolgsneutral. Was wir der Nationalbank zahlen müssen, das sind rund 75 Mio. Fr. jährlich, belasten wir differenziert im Interbankenmarkt und bestimmten Grosskunden weiter.

Die Idee kursiert, alle Kunden zu belasten, z. B. generell solche, die mehr als 20% des Vermögens in Liquidität halten. So liesse sich doch die Marge ausweiten?
Solange die Nationalbank weder den Zins verschärft noch die Freigrenze verändert, bleibt die ZKB bei ihrer Politik: Kleinsparer und Kleinunternehmen zahlen keinen Negativzins.

Aber die ZKB hat ihre Zinsmarge erhöht.
Auf den ersten Blick stimmt das tatsächlich. Effektiv ist die Zinsmarge aufgrund der gestiegenen Absicherungskosten gleich hoch wie vor zwei Jahren.

Die Gebühren schrauben die Banken aber fleissig nach oben.
Mit Gebühren lassen sich die Einnahmenausfälle durch die Negativzinsen nicht kompensieren.

Was bedeutet der Frankenschock für die Firmenkunden der ZKB?
Die Folgen sehen wir erst in den Konturen. Gewisse Branchen müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Wie beurteilen Sie den Zustand der Firmen im Wirtschaftsraum Zürich?
Die Margen der Unternehmen sind generell unter Druck. Doch die Lage ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Grosskonzerne sind sehr flexibel. Die Zulieferer an Schweizer Unternehmen haben es alle enorm schwierig, desgleichen die exportorientierten Firmen. Positiv ist aber, dass sich die Unternehmen bewegen können. Sie sind finanziell und strategisch gut aufgestellt. Aber Arbeitsplätze, die ins Ausland verlagert werden, kommen nicht mehr zurück. Für die Binnenindustrie sind die Handlungsoptionen geringer. Der 15. Januar 2015 war ein Katalysator in vielerlei Hinsicht, beispielsweise für Einkaufstourismus und Onlinehandel. Vor allem im zweiten Halbjahr litt der hiesige Detailhandel massiv.

Inwiefern beeinträchtigen die Probleme der Volkswirtschaft die ZKB?
Bis Probleme in der Bankbilanz ankommen, dauert es lange. Wir haben letztes Jahr und bis jetzt praktisch keine Rückstellungen für Kreditrisiken bilden müssen. Spürbar werden jedoch langsam die Auswirkungen der Negativzinsen. Wenn Bargeld gehortet wird und sparen sich nicht mehr lohnt, dann hat das Auswirkungen primär auf die Sozialwerke und damit die gesamte Volkswirtschaft.

Was beobachten Sie bei den Kunden?
Die Kunden sind intensiv auf der Suche nach zusätzlicher Rendite. Beispielsweise erwerben Privatinvestoren vermehrt Renditeliegenschaften. Bei den gegenwärtigen Preisen ist das eine riskante Strategie. Auch alternative Anlagen finden eine breite Abnehmerschaft. Jeder und jede sucht eine zumindest positive Minimalrendite. Die Nachfrage nach strukturierten Produkten ist lebhaft.

Obligationen, die traditionelle Anlage eines ZKB-Kunden, werden keine mehr gekauft?
Weil der Marktzins bei –0,75% liegt, reinvestieren Kunden fällige Obligationen nicht mehr, sondern gehen ins Sparkonto, weil dort noch eine quasi subventionierte Rendite von null geboten wird.

Dann bestehen viele Portefeuilles nur noch aus Aktien, Cash und Gold?
So pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Kundenportefeuilles werden gemäss Risikofähigkeit und -strategie strukturiert. Institutionelle Kunden haben andere Bedürfnisse als Privatkunden. Im Moment werden bei der ZKB Obligationen untergewichtet und Liquidität übergewichtet. Manche fühlen sich am wohlsten, das Geld einfach nur auf dem Konto zu haben.

Wie viel Anlagegelder liegen auf der Bilanz?
Von den 260 Mrd. Kundenvermögen liegen rund 80 Mrd. auf unserer Bilanz.