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Zögern als Erfolgsrezept

Markus Diem Meier

«Das Schlechteste, was man in einer Pandemie tun kann, ist abwarten. Es ist sogar besser, schnell die falschen Massnahmen zu treffen, als zu warten. Abwarten hilft dem Virus.» Dies sagte der bekannte österreichische Virologe Florian Krammer bei einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» am 21. November. Dafür erhielt er viel Zustimmung. Hätte er hingegen folgendes gesagt, wäre die Zustimmung vermutlich geringer gewesen: «Das Schlechteste, was die Polizei in einer gefährlichen Situation tun kann, ist abwarten. Abwarten hilft den Verbrechern. Es ist besser, zuerst mal schiessen und dann Fragen zu stellen.» Beide Statements sagen aber dasselbe aus: Es ist besser, schnell und falsch zu handeln, als abzuwarten. Das ist Unsinn und zeigt einmal mehr, dass man Politik nicht Virologen überlassen darf.

Genauso verkehrt wäre es aber zu sagen, man sollte immer mit dem Handeln warten, bis man genügend Informationen hat. Sowohl zu schnelles als auch zu langsames Handeln können fatal sein. Wo das Optimum allerdings genau liegt, lässt sich in der Realität kaum je bestimmen. Entscheidungen müssen meist unter Unsicherheit und unvollständiger Information gefällt werden. Und was im Moment optimal erscheint, kann schon kurze Zeit später falsch sein. So treten etwa bei Diabetikern häufiger Gefässerkrankungen auf, welche eine Amputation von Füssen oder Beinen notwendig erscheinen lassen. Trifft man den Amputationsentscheid aber zu früh, kommt es häufig zu unnötigen Amputationen, die eigentlich vermeidbar gewesen wären. Erfolgt der Entscheid aber zu spät, kann dies lebensbedrohend sein.

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